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Heinrich Pösendeiner
Eisenbahnverkehrs genießen konnte. Den Vorteil der Nähe von Wasserstraßen oder des Meeres hatte sie ohnedies immer vor Fulpmes voraus gehabt . 1 II. * * V.
Die alte Stubaier und die neue ausländische Industrie.
Die europäische Kleineisenindustrie hatte lange Zeit überall die gleichen Hilfsmaschinen. Die typischen Arbeitsbehelfe waren, soweit nicht reine Handarbeit vor lag, der Schwanzhammer und der Schleifstein, für viele Erzeugnisse noch das Polierzeug. Die Welle des Schwanzhammers wurde zumeist von einem unterschläch- tigen Wasserrade angetrieben. Oft wurden von einer Welle mehrere Hämmer betätigt; dies war bei der Herstellung schwieriger Werkstücke von großem Vorteil, weil man in den nebeneinander angeordneten Hämmern die Werkzeuge für die aufeinander folgenden Arbeitsstufen anbringen und derart mehrere dieser Arbeitsgänge in einer Hitze ausführen konnte. Die einfache Bauart, die freie Lage von Hammerkopf und Ambos, sowie die gute Regelung des Schlages durch die Schütze des Wasserrades sind gewichtige Vorzüge dieses altehrwürdigen wichtigsten Arbeitsbehelfes der gesamten früheren Eisenindustrie. Sein größter Nachteil ist jedoch die im Verhältnisse zum Bauaufwande und zum Raumbedarfe geringe Schlagleistung.
Der Schleifstein wurde ebenfalls durch ein, zumeist oberschlächtiges Wasserrad mittels Zahnradübersetzung angetrieben. Der Schleifer ritt auf einem Brett oder einem sattelähnlichen Gestelle über dem Stein und drückte das Werkstück mittels eines Hebels und unter teilweiser Ausnützung seines Körpergewichtes an den Stein. Die Stellung des Arbeiters war bei diesen Schleifzeugen gesundheitsschädlich, und gegen ein Zerspringen des Steines gab es keine Schutzvorrichtungen.
Bei den Polierzeugen waren die Schleifscheiben gewöhnlich nicht genau hergestellt, weshalb die Arbeit unsauber ausfiel. Als Gebläse für die Schmiedefeuer dienten entweder große Lederblasbälge oder Kastengebläse, und vereinzelt kamen auch die auf der Saugwirkung eines Wasserstrahles beruhenden uralten Wassertrommelgebläse vor.
Für alle diese Maschinen wurde Holz im weitesten Umfange, Eisen nur im notwendigsten Maße als Baustoff angewendet; mit diesen einfachen Maschinen und Behelfen, ergänzt durch einige Handwerkzeuge und Bohrvorrichtungen, fanden die gewandten alten Hammerschmiede ihr Auslangen.
Solange auch die westeuropäische Kleineisenindustrie die gleiche einfache Einrichtung hatte, war die alpenländische Kleineisenindustrie schon wegen der stärkeren und gleichmäßigeren Wasserkräfte bei der Erzeugung im Vorteil. Diese Sachlage änderte sich jedoch, als, von England ausgehend, die Dampfkraft und in
1 Genauere geschichtliche Angaben enthält der Abschnitt über die industriellen Verhältnisse des Stubaitales von Dr. Anton Kofler in dem Werke „Stubai, Tal und Gebirge, Land und Leute“, Innsbruck 1891, ferner die Abhandlung „Die Entwicklung der Werkgenossenschaft der Stubaier Kleineisenindustrie in Fulpmes“ von Dir. Ing.
II. Sciierbaüm, Waidliofen a. d. Ybbs, seinerzeit Fachlehrer in Fulpmes, und schließlich
der in den „Schriften des 2. Internationalen Mittelstandskongresses in Wien, 1910“ enthaltene Bericht des Verfassers dieser Zeilen. Die jüngste geschichtliche Arbeit über
diesen Gegenstand ist „Die Stubaier Kleineisenindustrie“ von Ing. II. Anselm,
V. D. I.-Verlag, Berlin 1930.