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1932: Erstes Heft
Entstehung
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Heinrich Pösendeiner

und von der Fachsehulleitung wurde daher jener Schritt ein geleitet, der zu dem raschen Wiederaufstieg der Industrie führen sollte, nämlich der Zusammenschluß der Schmiede zu einer Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft. Fachschuldirektor Ing. 0. Stanger und Kammersekretär Dr. A. Kofler sind als die Gründer dieses nach großen Schwierigkeiten im Jahre 1898 mit 30 Schmieden als Mitgliedern zustande gekommenen Unternehmens anzusprechen, für das der NameWerk­genossenschaft der Stubaier Kleineisen-Industrie in Fulpmes r. G. m. b. H. gewählt wurde. 1 Zur Bildung der Genossenschaft mögen wohl auch Erinnerungen an die früher geschilderten Handelskompagnien beigetragen haben.

Die erste Tätigkeit der neuen Genossenschaft war die Beschaffung der wichtigsten Rohstoffe, Eisen, Stahl und Kohle, die sie ihren Mitgliedern um 15 bis 20% billiger liefern konnte als die Verleger; bald wurde auch das Warenverkaufs - geschäft aufgenommen, wobei die Geschäftsbeziehungen einiger noch einigermaßen unabhängiger Schmiede die Grundlage bildeten. Ein guter Katalog wurde ange­fertigt; die Genossenschaftsleitung hatte einen tüchtigen Reisevertreter gefunden, und auch der erste Vorsteher der Genossenschaft, Johann Falschlunger, arbeitete mit großem Erfolg in dieser Eigenschaft.

Die der Werkgenossenschaft angehörenden Mitglieder waren wenig kapitals­kräftig und konnten ihre Anteile nur in Raten einzahlen; es mußte daher vorerst der größte Teil des Betriebskapitales von gewerbefreundlichen Stellen beigetragen werden. Das Gewerbeförderungsamt des Handelsministeriums in Wien, 2 das Land Tirol, die Handels- und Gewerbekammer Innsbruck, die Raiffeisenkasse Fulpmes und Private, besonders Handelskammersekretär Dr. Kofler, gewährten die er­forderlichen Beträge als Darlehen.

Die erste gemeinsame Arbeit betraf eine Beilpickenlieferung für das Heer; da zu ihrer Herstellung noch ausschließlich die alten Arbeitsbehelfe verwendet wurden, ergaben sich wegen der ungleichen Ausführung große Schwierigkeiten bei der Abnahme der Beilpicken, die deutlich die Notwendigkeit technischer Ver­besserungen auf zeigten.

Durch das befriedigende Ergebnis des Rohstoff- und Warenverkaufsgeschäftes ermutigt, schritten nun Förderer und Mitglieder der Genossenschaft an die Ein­führung verbesserter Arbeitsverfahren mit neuzeitigen Maschinen. Das erste Genossenschaftswerk wurde 1899 errichtet; für das Werksgebäude gab die Handels­und Gewerbekammer Innsbruck den Baugrund, die Gemeinde Fulpmes das Bauholz, das Land Tirol einen Zuschuß von 2000 Kronen und die Tiroler Zementwerke einige Waggons Zement. Das Unterrichtsministerium bewilligte die Mitbenützung derWasser- kraft der Fachschule, mehrere Genossenschaftsmitglieder und Förderer gaben Leih- gelder. Die Pläne für das Werksgebäude fertigten einige Lehrkräfte der Fachschule an.

1 Über die Gründung und Entwicklung der Werkgenossenscliaft bis 1903 verweise ich auf die früher genannte Schrift von Ing. H. Scherbaum, der als Mitarbeiter die damaligen Verhältnisse bestens kannte.

8 Hinsichtlich der staatlichen Gewerbeförderung wird auf den Bericht des Dr. Ing. Ludwig Erhard überRichtlinien der technischen und wirtschaftlichen Gewerbe­förderung, Schriften des II. Internationalen Mittelstandskongresses, Wien 1910, ver­wiesen.