Die Wiederaufrichtung der Stubaier Kleineisenindustrie.
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Wegen der Beistellung der Maschinen hatte sich die Genossenschaft an das Gewerbeförderungsamt in Wien gewendet, das durch seine Ingenieure grundlegende Erhebungen vornehmen ließ, wobei sich zur Beschaffung der wichtigsten Maschinen ein Betrag von rund 30000 Kronen als nötig herausstellte. Die staatliche Gewerbeförderung hatte sich bis zu dieser Zeit bloß mit Maschinenüberlassungen an kleinere Handwerkervereinigungen befaßt, die nur die Aufwendung bescheidener Geldmittel erforderten. Es ist das Verdienst des technischen Leiters des Gewerbeförderungsamtes, Hofrates Dr. Ing. L. Erhard, die Notwendigkeit des verhältnismäßig hohen Betrages für die Maschinenüberlassung an die Stubaier Werkgenossenschaft derart überzeugend begründet zu haben, daß die Bewilligung erfolgte, wodurch die Förderung größerer gewerblicher Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften durch Maschinenüberlassungen im Wege der staatlichen Gewerbeförderung überhaupt erst eingeleitet wurde.
Die Einrichtung des ersten Werkes in Fulpmes umfaßte große, für schwere Gesenkschmiedearbeiten und für schnelle Streckarbeiten geeignete Hämmer, ferner Pressen, eine Solinger Schleiferei und eine für die Appretur von Schmiedewaren und zur Herstellung von Hilfswerkzeugen für die Hämmer und sonstigen Maschinen geeignete mechanische Werkstätte. In der Fachschule zu Fulpmes und im Gewerbeförderungsamte in Wien wurden nun einige Schmiedemeister in der Handhabung der neuen Maschinen und in den neuen Arbeitsverfahren ausgebildet, und es spricht für die gute technische Begabung der Stubaier, daß sie sich nach kurzer Zeit in der neuen Arbeitsweise zurechtfanden.
Schon mit der bescheidenen Einrichtung der Fachschule konnten einige wichtige Neuerungen auf dem Gebiete der Vollendungsarbeiten (Solinger Schliff, Solinger Fließverfahren) in kurzer Zeit mit augenscheinlichem Erfolge eingeführt werden. Die maschinelle Einrichtung der neuen Genossenschaftswerkstätte hatte aber eine vollständige Umwälzung durch das nunmehr ermöglichte Schmieden auch schwerer Formstücke in geschlossenen Gesenken und durch die genaue und rasche Appretur der Schmiedestücke mittels der Werkzeugmaschinen zur Folge.
Die Schmiede des neuen Werkes diente hauptsächlich zur Erzeugung von sogenannten Halbfabrikaten, die von den Schmieden in ihren Werkstätten zu verkaufsreifen Artikeln fertiggestellt wurden; man erreichte hiedurch eine ähnlich billige, rasche und genaue Fertigung wie in den westeuropäischen Werken.
Nun erfolgte von Seite der staatlichen Gewerbeförderung eine weitere Maßnahme, die die Entwicklung der Genossenschaft wesentlich beeinflußte; es war dies die Einführung eines neuen, genau ausgeführten Erzeugnisses, der neuen Postplombierzange. Die Post Verwaltung war damals mit ihrer alten Type nicht mehr zufrieden; im Gewerbeförderungsamte wurde nun ein neues Modell konstruiert, das Annahme fand. Diese Neueinführung zeitigte einen durchschlagenden Erfolg, denn nicht nur der Verdienst wurde wesentlich höher als bei den anderen Stubaier Waren, sondern — was das Wichtigste war — die Fulpmeser Schmiede lernten nun auch an einem ziemlich verwickelten Gegenstand die genauen neueren Arbeitsmethoden gründlich kennen. Diesen gewinnbringenden Lieferungen für die Post folgten bald verwandte Erzeugnisse, wie Blechplombierzangen, Rohrzangen, Schränkzangen, Kistennagelapparate usw., die zuerst in der Genossenschafts-