Heft 
1932: Erstes Heft
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen

Die Wiederaufrichtung der Stubaier Kleineisenindustrie.

135

unverzinsliche Arbeitsbehelfe, wie Maschinen u. dgl., im Werte von 57270 Kronen, gegen Rückzahlung in zehn Jahresraten, ferner unmittelbar vom Handelsministerium zur Wiederaufnahme alter Exportbeziehungen Beiträge von zusammen 6000 Kronen. Vom Land Tirol erhielt die Genossenschaft zur Gründung ihres Rohstoff- und Warenlagers sowie als Beitrag zu den Baukosten des ersten Werkes einen Zuschuß von 3000 Kronen, ferner ein mit 2% verzinsliches Darlehen von 12000 Kronen zur Beschaffung von Maschinen für die Werkstätten der Genossenschaftsmitglieder. Der von der Handels- und Gewerbekammer Innsbruck gewidmete Baugrund und das von der Gemeinde Fulpmes gespendete Bauholz für das erste Genossenschafts­werk mag mit etwa 3000 Kronen zu bewerten sein. Von den öffentlichen Stellen wurden also zusammen bis 1907 rund 117300 Kronen auf ge'wendet, davon 105270 Kronen gegen Rückzahlung, die termingerecht und zum größten Teil in vollwertiger Währung geleistet wurde. Diesen Aufwendungen aus öffentlichen Mitteln stehen die Einzahlungen der Mitglieder auf ihre Genossenschaftsanteile gegenüber, die bis zum Jahre 1909 rund 116700 Kronen betrugen. Die günstige Lage und die Entwicklung der Genossenschaft erwarb dieser Unternehmung so viel Vertrauen, daß sie die für den steigenden Geschäftsumfang erforderlichen Geld­mittel weiterhin bei Banken und Sparkassen erhalten konnte.

Die Verhältnisse nach dem Weltkrieg.

Der Weltkrieg brachte zuerst einen bedeutenden Rückgang im genossenschaft­lichen Warenabsatze, bald aber eine gewaltige Steigerung durch mittelbare und unmittelbare Heereslieferungen, so daß die Werke während des Krieges voll be­schäftigt waren. Die erzielten Verdienste ermöglichten eine weitere Ausgestaltung der Werkstätten sowie den Bau eines großen Rohstoffmagazins und den Ausbau des genossenschaftlichen Kaufhauses mit den Warenlagern.

Für die erste Zeit nach dem Kriege erwartete man schwere Erschütterungen im Geschäftsbetriebe der Genossenschaft, die aber nicht in dem gefürchteten Maße eintrafen. Die Entwertung der Krone und der entstandene Warenhunger bewirkten vorerst trotz der neuen Zollschranken in einem Teile des alten Absatzgebietes einen erhöhten Warenabsatz. Die Ruhrbesetzung brachte später die nahezu vollständige Aiisschaltung des Wettbewerbes der reichsdeutschen Kleineisenindustrie und damit eine weitere Hebung des Absatzes.

Nach diesem vorübergehenden Aufschwung jedoch stellten sich als Folge der Zerreißung des alten Staatsgebietes bald schwere Absatzhemmungen ein. Die Lage wurde noch besonders verschärft, als nach dem Abflauen des Ruhrkampfes die reichsdeutsche Kleineisenindustrie wieder lieferungsfähig wurde und die reichs­deutschen Erzeuger zeitweilig ihre Warenpreise nicht rasch genug dem ungestümen Verfalle der Markwährung angepaßt hatten. Die Eisenwarenhändler in dem Absatz­gebiete der Genossenschaft benützten diese günstige Gelegenheit zu großen An­käufen reichsdeutscher Eisen- und Stahlwaren, wodurch diese Aufträge der Stubaier Kleineisenindustrie entgingen.

Der schlechte Geschäftsgang zwang nun die Werkgenossenschaft zur Arbeit auf Lager und zur Gewährung langfristiger Kredite an die Abnehmer. Die Folge