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1932: Erstes Heft
Entstehung
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Heinrich Pösendeiner

war ein starker Kreditbedarf, der aber befriedigt werden konnte. Auch die Hebung des Absatzes gelang; die in der Kriegs- und Nachkriegszeit bei einigen Erzeugnissen gesunkene Qualität wurde durch eine scharfe Warenprüfung wieder gehoben, neue Artikel, so besonders Werkzeuge für Kraftfahrzeuge, wurden eingeführt; auch in der Herstellungsweise wurden wichtige Verbesserungen getroffen, besonders durch neuzeitige Härteöfen und kohlensparende Glühöfen, ferner durch die Einführung von Walzwerken und verbesserten Vollendungsverfahren. Ab 1925/1926 zeigen die Umsatzziffern wieder den folgenden bemerkenswerten Aufstieg:

Geschäftsjahr: Rohstoff absatz: Fertigwarenabsatz:

Schilling ö. W. Schilling ö. W.

1925/26 . 596380 1088193

1926/27 . 645211 1203863

1927/28 . 579939 1388780

1928/29 . 939259 1544649

1929/30 . 740485 1531154

Vom Warenumsatz treffen 50 bis 65% auf die Ausfuhr, und zwar besonders nach jenen Ländern, die vor dem Kriege zum Staatsgebiete Österreich-Ungarns gehört hatten. Es wurden aber auch neue Absatzgebiete gewonnen, so z. B. Holland, Griechenland, Südamerika; einige Waren gingen sogar nach Nordamerika. Durch die Verwirklichung fortschrittlicher technischer Ideen erzielte die Genossenschaft sohin bedeutende Mehrleistungen, die ihre Steuerkraft derart steigerten, daß die dafür aufgewendeten öffentlichen Mittel eine reichliche Verzinsung erfuhren.

Der Wiederaufbau der Stubaier Kleineisenindustrie hätte trotz der bedeutenden Unterstützung durch gewerbefreundliche Faktoren aller Art nicht erreicht werden können, wenn nicht der Vorstand und der Aufsichtsrat des genossenschaftlichen Unternehmens dieses vorsichtig, geschickt, und sparsam geführt und w r enn die Stubaier Schmiede nicht trotz manchen Streitigkeiten gut zusammengehalten und selbst erhebliche materielle Opfer gebracht hätten. Von maßgebender Bedeutung war auch der Umstand, daß unter den Stubaier Schmieden angeborene technische Begabungen nicht selten sind. Einige Schmiede 1 haben, obwohl sie nur kurze Unterweisungen im Gewerbeförderungsamte oder in der Fachschule erhielten, selbständig beachtenswerte Verbesserungen in der Technik der Kleineisenerzeugung und an den dazugehörigen Hilfsmaschinen ausgedacht und sie ausschließlich der Stubaier Industrie zugewendet. So ist dort beispielsweise aus einer winzigen Messer­schmiede eine große Maschinenschlosserei entstanden, die gewisse Spezialmaschinen für die Ortsindustrie und sogar Turbinen erzeugt.

Mit der Zunahme des Bergsportes wurden Eispickel und Steigeisen stark begehrt; man baute daher die Erzeugung dieser hochalpinen Ausrüstungsgegenstände in der Genossenschaft sehr gut aus, so daß die Stubaier Eispickel und Steigeisen wegen ihrer sorgfältigen Herstellung heute die gesuchteste Marke bilden, die außer in Österreich auch in großer Zahl nach Deutschland und nach der Schweiz ver­kauft wird.

Die Genossenschaft umfaßte Ende Juni 1930 im ganzen 96 Mitglieder mit

1 So besonders Franz R alling und Balthasar Danler.