Tilo Grenz
Entwickler und Betreiber nicht ignorieren können und sie zu Kurskorrekturen veranlasst.
Diesem Aufriss folgend, wird im anschließenden Kapitel zunächst dargestellt, inwiefern Zukunftsgewandtheit eine wesentliche Grundlage des menschlichen Denkens und Handelns ist und im Anschluss an die geschichtsträchtige Debatte zur sozialwissenschaftlichen Erkenntnis zwischen .Erklären 1 und .Verstehen“ die soziologische Perspektive auf Zukunft als sozial relevant gemachter Ausschnitt der Realität plausibilisiert. Im Anschluss an die Herleitung einer genuin soziologischen Blickrichtung, werden im darauffolgenden Kapitel zwei Fallbeispiele aus der eigenen Forschung vorgestellt, bei denen Mediatisierung als Geschäftsmodell - insbesondere im Fokus auf den kulturverändernden Stellenwert digitaler Medientechniken - der Gegenstand ist: Behandelt werden mediati- sierte Fitness und de-mediatisierte Kommunikation an einem je konkreten Geschäftsmodell und Kernprodukt.
Fachgeschichtliche Weichenstellungen
Der Mensch als zukunftsorientiertes Wesen
„Die Soziologie ist eine an der Erfahrung orientierte und der Zukunft zugewandte Wissenschaft .“ 2 Friedrich Jonas führt in dieser Bestimmung, die er seiner zweibändigen „Geschichte der Soziologie“ voranstellt, in höchstem Maße verdichtet und präzise zusammen, was die vielleicht größte Zerrissenheit der Soziologie ausmacht: Denn .Zukunft“ ist - oder auch: die Zukünfte sind - ein in mehrfacher Hinsicht ambivalent bewertetes, mithin heikles Thema innerhalb des Fachs und der Fachgeschichte der Soziologie. Das ist nicht etwa der Fall, weil sich die Soziologie zum Thema .Zukunft“ nicht verhält oder gar nichts zu sagen hätte. Die methodologisch-methodische Frage, ob, und wenn ja, inwiefern in empirisch fundierter - d. h. am jeweiligen Untersuchungsgegenstand methodisch verfolgter - Weise Aussagen über künftige Entwicklungen bzw. eben: die Zukunft getroffen werden können, befeuert immer wieder intensive Debatten und treibt Grenzziehungen innerhalb des Faches an. Deutlich wird dies z. B. an der Kontroverse um die Fachzugehörigkeit sogenannter Zeit-, Gegenwarts- und Gesellschaftsdiagnosen, oder aber bei der Gegenüberstellung statistischer
2 Friedrich Jonas: Geschichte der Soziologie. Band 1, Opladen 1981, S. 11.
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