Präsenstechniken und ihre Spuren
rio, in denn TrainierendeR und Trainerin technisch induziert in Personal-Union auftreten (sollen), zum anderen eine als problematisch hypostasierte Gegenwart und in puncto allgegenwärtiger Distraktion abzuwendende Zukunft. Es zeigt sich, dass damit analytisch verschiedene Bezugshorizonte differenziert werden können: Dominiert im einen Feld die Annahme einer herbeizuführenden bzw. herbeiführbaren Zukunft (im Sinne einer „Vision“), dominiert im anderen Fall die Annahme einer Zukunft, die durch Intervention (partiell) abgewendet oder immerhin individuell umgelenkt werden kann. Dieser Unterschied spiegelt sich auch wider in der wirtschaftswissenschaftlichen Differenzierung von strategischem Management (im Sinne ,,visionäre[r] Zukunftsvorstellungen“) und strategischer Planung (im Sinne „sich bereits in der Gegenwart abzeichnen- de[r] Entwicklungstendenzen, welche in die Zukunft extrapoliert werden “). 46 Wie gezeigt wurde, sind die artikulierten und auch stillschweigend mitlaufenden Bezugshorizonte eng mit den jeweiligen Ausgestaltungen und Potentialen digitaltechnischer Apparate verzahnt. Für diese Apparate ist eine bestimmte Dynamik zu gewärtigen, bei der beständig medienbezogenes Handeln vor-entworfen wird und dieser Entwurf gleichermaßen empirisch im Hier und Jetzt validiert und angepasst wird.
Neben den Relevanzierungen von Zukünften, die sich aus je unterschiedlichen (Produkt-)Ansprachen und Digitaltechniken rekonstruieren lassen, erweisen sich in beiden Fällen - früher oder später - softwaretechnische und organisational Rückkopplungen bzw. „feedback loops“ zwischen aktueller Medieninanspruchnahme und möglicher Modifikation als Momente, die die Strategien der Anbieter mithin erheblich irritieren und zu Wendepunkten führen : 47 Die permanent die Medien begleitende Nachjustierung basiert auf einem Kerncharakteristikum digitalen Materials, das im laufenden Betrieb observational fundiert und funktional orientiert verändert wird . 48 Grundlage hierfür ist die bezeichnende Doppelstruktur digitaler Medien, die einerseits Ressource alltäglichen Handelns (bzw. ökonomisch ausgedrückt: Produkt) und zugleich ein differenziertes Beob-
46 Sascha Kraus: Strategische Planung und Erfolg junger Unternehmen. Wiesbaden 2006, S. 37.
47 Grenz, Kirschner, siehe Anmerkung 38; Tilo Grenz, Gerd Möll, Jo Reichertz: Zur Strukturierung von Mediatisierungsprozessen. Überlegungen zu einer Theorie der reflexiven Mediatisierung am Beispiel von Poker, Fitness und Rechtsmedizin, in: Friedrich Krotz, Cathrin Despotovic, Merle Marie Kruse (Hg.): Die Mediatisierung sozialer Welten: Synergien empirischer Forschung. Wiesbaden 2014, S. 73-91; Scott Lash: Reflexivity as non-linearity, in: Theory, Culture & Society 20 (2003), S. 49-57, hier S. 50.
48 Grenz, siehe Anmerkung 34, S. 177-1 80.
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