Florian Bettel
Traum, die pneumatische Bahn würde große Distanzen in kürzester Zeit überwinden, blieb jedoch weiterhin präsent und durfte in populären Medien weitergeträumt werden.
Fantastische Reisen mittels Luft
Medhursts Idee, Luft zur Übertragung von Antriebsenergie im überregionalen Verkehr anzuwenden, fand bald den Weg in die Populärkultur. Zwischen 1825 und 1829, also um die Zeit der Publikation seines zweiten Entwurfs, seine Erfindung als atmosphärische Eisenbahn umzusetzen, 51 veröffentlichte William Heath (1795-1840) eine Serie von Drucken mit dem Titel „March of Intellect“. 52 Der Titel der satirischen Blätter spielte auf eine damals in England heftig geführte Debatte um die gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen des Fortschritts in Technik und Wissenschaft an. In die Bildmitte der dritten Tafel ließ Heath eine pneumatische Bahn ragen, die eine illustre Gruppe von Reisenden von Greenwich Hill direkt nach Bengalen transportierte. Überhaupt fanden sich viele weitere Arten mit oder in der Luft zu Reisen in Heaths Darstellung: Flugmaschinen mit vorgespanntem Drachen oder in Form riesiger Fledermäuse, Ballons, die Plateaus mit ganzen Artillerieeinheiten schweben ließen, und Postbeamte, die flügelschlagend ihre Zustellungen erledigten. Heaths satirische Überzeichnung schreckte auch nicht davor zurück, eine Gruppe irischer Emigrant/innen mittels Kanone durch die Luft zu befördern und das „Programm zur Bezahlung der Staatsschulden“ als Luftschloss in den Wolken zu errichten (Abb. 7).
In den folgenden Jahren blieb die Darstellung der pneumatischen Bahn in populären Medien präsent. Anlass hierfür waren oftmals die weiter oben geschilderten Experimente mit der Transporttechnik, die als Nachrichten in illustrierten Zeitungen oder als visionäre Vorhaben in populärwissenschaftlichen Zeitschriften, wie Die Gartenlaube oder Scientific American, gebracht wurden. Zudem schien die Erzählung eine gewisse Eigendynamik zu entwickeln, wie dies bereits bei Heath ersichtlich war. Die Darstellung der pneumatischen Bahn erzählte viele Geschichten: über vergangene Experimente, aktuelle Anwendungen und zukünftige Umsetzungen. 1856 meldeten beispielsweise die satirischen Fliegenden Blätter, das „Telegraphiren von Personen [sei] keine Fabel mehr!“ 53
51 Medhurst, siehe Anmerkung 31.
52 Mirjam Elburn: William Heath und Robert Seymour, in: Miner, Winzen, siehe Anmerkung 2, S. 10-18; catalogue.wellcomelibrary.org/search~S5/o37252i (14.2.2018)
53 Fliegende Blätter 24 (1856), S. 1 28.
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