Hubert Weitensfelder
100 Filmprojektoren aufgestellt. Im Jahr darauf kaufte der Filmdienst auch zwei Filmwagen an, unter anderem zwecks Vorführungen für Lehrlinge in Betrieben sowie für berufsbildende Schulen. 16 Im Auftrag der „Austria Wochenschau“ entstand eine Reihe von Filmen, um den Marshallplan zu popularisieren und auch der Landwirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Sie trugen Titel wie „Gute Ernte“, „Festtage der Jugend“ (beide 1950) sowie „Wunden vernarben“ (1952). Letzterer thematisierte die kostenlose Lieferung von Saatgut und Kunstdünger. Andere Filme betrafen etwa rationellen Gemüseanbau, Hühnerzucht und Milchwirtschaft. 17
Ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg, so engagierte man sich in Österreich wieder für eine internationale Tagung zur Energienutzung. 1956 fand in Wien die nunmehr fünfte „Weltkraftkonferenz“ statt. 18
Atomkraft, ein Intermezzo
Zu den Technologien mit Zukunft zählte nach dem Krieg die friedliche Nutzung der Atomenergie. Dabei lag der Fokus zunächst nicht auf der Energiegewinnung. Beim österreichischen Gesamt-Energieverbrauch stand bis 1965 die Braunkohle an der Spitze; erst danach wurde sie vom Erdöl überholt. In den 1970er-Jahren gewannen Wasserkraft und Erdgas an Bedeutung.
Die Atomenergie wurde seit den 1950er-Jahren für die Isotopenforschung in der Werkstoff- und vor allem der Metallkunde propagiert. 1955 beteiligte sich Österreich an der „1. Internationalen Konferenz über die friedliche Verwendung der Atomenergie“ in Genf. Im Jahr darauf wurde eine „Österreichische Studiengesellschaft für Atomenergie GmbH“ gegründet. 1957 entstanden die internationale Atomenergie-Organisation mit Sitz in Wien und die Europäische Atomgemeinschaft. Ferner wurde im niederösterreichischen Seibersdorf ein Reaktorzentrum errichtet. Die dortigen Forschungsschwerpunkte lagen auf Physik und Elektronik, Chemie, Biologie, Medizin, Metallurgie und Industrie. In den 1960er-Jahren arbeiteten in Seibersdorf rund 500 Personen. Seit Ende dieses Jahrzehnts engagierte sich eine konservative ÖVP-Alleinregierung für die Erzeugung von Atomstrom. 1968 wurde eine „Kernkraftwerksplanungs- ges.m.b.H.“ gegründet und nach einer Standortentscheidung für Zwentendorf
16 Ebd., S. 92f.
17 Ramön Reichert: Im Kino der Humanwissenschaften. Studien zur Medialisierung wissenschaftlichen Wissens. Bielefeld 2007, S. 239-245.
18 Wolfgang L. Reiter: Die Fünfte Weltkraftkonferenz Wien 1956 - ein erster Schritt Österreichs nach 1945 in die Internationalität, in: Reiter, Mikoletzky, Matis, siehe Anmerkung 3, S. 311 -336.
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