Hubert Weitensfelder
den Anforderungen nicht lange stand. 1948 entwickelten US-Techniker den Transistor als neues Grundelement des Computers. Er beruhte auf der Halbleitertechnik, also auf den Eigenschaften von Werkstoffen wie Silizium oder Germanium, elektrischen Strom je nach Bedingung zu leiten oder zurückhalten. Transistoren liefen nicht heiß, und sie waren kleiner, sparsamer und langlebiger als Röhren. 20
Zu den österreichischen Pionieren im Rechnerbau zählte Heinz Zemanek (1920-2014) aus Wien. Er baute in den Jahren 1956 bis 1958 als Assistent an der Technischen Hochschule Wien mit einigen Mitarbeitern den ersten Transistorrechner in Kontinentaleuropa. Dafür stellte die Dr.-Theodor-Körner-Stiftung die allerdings geringe Summe von 30.000 Schilling zur Verfügung. Die für den Rechner verwendeten 3000 Transistoren stammten von der Firma Philips. Aufgrund ihrer vergleichsweise bescheidenen Dimensionen erhielt die Maschine die Bezeichnung „Mailüfterl“, im ironischen Gegensatz zu den in den USA gebauten Computern, die eher mit Hurrikans verglichen wurden. 21 Begleitend zur Konstruktion des „Mailüfterls“ baute Zemaneks Gruppe mehrere kybernetische Grundmodelle, darunter eine Schildkröte zur Simulierung bedingten Reflexverhaltens. Sie basierte auf Theorien des ungarisch-amerikanischen Neurologen und Psychiaters Andrew J. Angyan. 22 Ferner entstanden eine „Maus im Labyrinth“ und ein „Homöostat“. Homöostase bezeichnet die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in einem dynamischen System durch einen internen regelnden Prozess, etwa in Organismen.
Zemanek leitete von 1 961 bis 1976 das Labor des US-Computerkonzerns IBM in Wien und lebte anschließend einige Jahre als IBM-Fellow in Deutschland. Das „Mailüfterl“ stand bis 1966 in Betrieb. Anschließend kam es als Leihgabe des Wiener Technischen Museums an die Johannes-Kepler-Universität in Linz und ist heute wieder im Technischen Museum Wien ausgestellt. 23 Zum Abschluss von Zemaneks Zeit als IBM-Fellow erschien 1985 eine Schrift, die seine Leistungen würdigte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er 355 Beiträge
20 Herbert Matis: Die Wundermaschine. Die unendliche Geschichte der Datenverarbeitung: Von der Rechenuhr zum Internet. Frankfurt am Main, Wien 2002, S. 15f., 247f.
21 Heinz Zemanek: Der österreichische Beitrag zur Entwicklung der Rechenmaschinen, in: Heinz Zemanek: Ausgewählte Schriften. Anläßlich meines 85. Geburtstages. Wien 2005, S. 29-38, hier S. 31 f.
22 Heinz Zemanek: Messerscharfes Österreich. Wittgenstein und die Informatik. Österreichische Beiträge zur Formalisierung, in: Zemanek, siehe Anmerkung 21, S. 195-218, hier S. 212. Vgl. auch Heinz Zemanek: Vom Mailüfterl zum Internet. Geschichte, Perspektiven und Kritik der Informationstechnik (= Wiener Vorlesungen im Rathaus 78). Wien 2000.
23 Matis, siehe Anmerkung 20, S. 252f.
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