Aufsatz 
Hundert Jahre Zukunft? Neue Technologien in Österreich seit 1918 - Aspekte und Diskurse / Hubert Weitensfelder
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen

Hundert Jahre Zukunft?

wesentliche Neustrukturierung der Produktion voraus. Gründe seien steigende Lohnkosten, preiswerte neue Technologien für die Automatisierung sowie ein Trend zu kleineren Stückzahlen (Losgrößen) in der Gütererzeugung. Sie schätz­ten, dass Roboter mit Sensoren in den kommenden 20 Jahren bis zu ein Drit­tel der Arbeitsplätze in der Industrie besetzen könnten, was in Österreich über 400.000 Arbeiterinnen betreffen würde. 34

Der erste Industrieroboter im Land, ein Schweißroboter für die Motorraderzeu­gung, war 1977 installiert worden. Bis 1981 kamen in Österreich rund 40 Stück zum Einsatz, und zwar vor allem zum Schweißen und Spritzlackieren. 35 Für die Studie wurden Fragebögen an über 1350 Firmen ausgesendet, 250 Antworten kamen zurück. 36 Darin wurden rund 70 Roboter gemeldet, die vor allem in der Metallverarbeitung, Maschinen-, Fahrzeug- und Elektroindustrie Verwendung fanden 37 Darüber hinaus war 1980 ein Fragebogen an 504 Betriebe ergangen, um den Stand von NC(Numerical Control)-gesteuerten Maschinen zu erfassen. Diese Erhebung ergab 615 Stück, darunter Drehmaschinen (49,8 Prozent), Bearbeitungszentren und Fräsmaschinen (23,6), Bohrmaschinen und -wer­ke (15,6) sowie Sonstige (elf Prozent). 38 In Österreich existierten 1983 zwei größere Roboterhersteller, nämlich die VOEST-Alpine in Linz und die IGM (Industriegeräte- und Maschinenfabriks-GmbH) in Wiener Neustadt. 39 Zur gleichen Zeit wurde unter der Leitung von Peter Fleissner amInstitut für sozio-ökonomische Entwicklungsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eine weitere Erhebung über Roboter durchgeführt. Ihre Finanzierung erfolgte durch den Jubiläumsfonds der Österreichischen National­bank. Die Untersuchung erschien 1984 im Verlag des Österreichischen Ge­werkschaftsbundes. Im Hauptkapitel wurden Fallbeispiele in fünf großen Betrie­ben analysiert, und zwar nach folgenden Aspekten: Kriterien der Beschreibung; Ökonomie des Einsatzes; Auswirkung auf Beschäftigung, Qualifikation und Arbeitsbedingungen; Rationalisierung und Humanisierung der Arbeit. Dabei handelte es sich um Roboter an Einzelarbeitsplätzen, da die österreichische Industrie keine großen Taktstraßen wie die großen deutschen Autohersteller

34 Helmar Weseslindtner: Roboterstudie. Industrieroboter - Entwicklung und Herstellung in Öster­reich. Wien 1983 (maschingeschrieben), S. 4-6.

35 Ebd., S. 77.

36 Ebd., S. III.

37 Ebd., S. 136.

38 Ebd., S. 224-226.

39 Ebd., S. 280.

89