Hundert Jahre Zukunft?
„Mikroprozessoren fordern unsere Industriepolitik zu einer Entscheidung heraus. Welchen Weg sollen unsere Ingenieure, Techniker und Unternehmer gehen: entweder Zulieferer, Zuarbeiter, Handlanger, Hilfsarbeiter von Industriegiganten in den USA und in Japan, letzten Endes Kulis eines mikroprozessualen Neokolonialismus werden - oder durch Entwicklung und Herstellung wirklich intelligenter Produkte diese Giganten der Chip-Massenproduktion als Zulieferer für die eigene High-Technology benützen?“ 67
Fritschls kritischer Kommentar blieb eine Einzelerscheinung in der ZÖIAV; in den nächsten Jahren folgten keine größeren Debatten mehr. Offenbar nahm man in der Zeitschrift nunmehr zur Kenntnis, dass sich das politische Klima auf Dauer verändert hatte.
Ausblick
Einiges von dem, was den Diskurs über zukünftige Technologien im 20. und frühen 21. Jahrhundert geprägt hat, ist nach wie vor ein Thema: die Rationalisierung, die Nutzung von Atomkraft, der Einsatz von Robotern und verbesserten Werkzeugmaschinen sowie die Auswirkungen der „Artificial Intelligence“. Neue Schlagworte sind dazugekommen: das Internet, die Digitalisierung und damit einhergehende Überlegungen, wie Letztere die Arbeitsbedingungen verändert. Heute weit verbreitete Schlagwörter wie „Industrie 4.0“ und andere .^^“-Kombinationen werden in dieser Form wohl von kurzer Dauer sein. Sie sind Ausprägungen eines hype-cycles mit oszillierenden Höhepunkten, Tiefständen und ebenen Verläufen.
Ein Blick in die Vergangenheit von Zukunft, wie er hier versucht wurde, sollte nicht darauf zielen, im Nachhinein die Visionen früherer Zeiten ob ihrer scheinbaren Naivität zu belächeln. Vielmehr sagen Zukunftsvorstellungen einiges über die Gesellschaft und die Signatur jener Zeit aus, in der sie entstanden sind und nach wie vor entstehen. Vielleicht trägt eine solche Sichtweise dazu bei, einen qualifizierteren Blick für das Faktische und das Mögliche zu gewinnen.
67 Luis Fritschl: Der „Geist von Raaba“ und die Konsequenzen, in: ZÖIAV 131 (1986), Heft 1, S. 1 -4, das Zitat S. 4.
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