Die Technische Stadt
Das Kugelhaus: technikaffine Zukunftsvision
Absolutes Highlight und spektakulärste, auch international rezipierte Sensation war jedoch das Kugelhaus. Symbolträchtig aufgestellt genau vis-ä-vis des altehrwürdigen Ausstellungspalastes, demonstrierte das „neuzeitliche Geschäftshaus“ den Stand moderner Technik, gleichzeitig war es ein unübersehbares futuristisches Statement: „In solchen Gebäuden könnten wir in Zukunft leben!“ Der Entwurf stammte vom Münchner Architekten Peter Birkenholz (1876- 1961), der sich schon seit Längerem mit der Geschichte dieser Bauform und deren gestalterischer Umsetzung beschäftigte. 19 Die Ideen der französischen Revolutionsarchitektur und der russischen Konstruktivisten weiterentwickelnd, 20 hatte er bereits an einigen Wettbewerben teilgenommen. Für die nun erstmalige Realisierung seines kugelförmigen Experimentalbaus benötigte man in Dresden nur acht Wochen, wobei die Medien schon vorab darüber berichteten und den Baufortschritt interessiert begleiteten. Die tragende Konstruktion wurde von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN, Werk Gustavsburg-Mainz) in Stahlskelettbauweise errichtet, die Außenhaut bestand aus Glas (150 Fenster) und Aluminiumblech, der Sockel aus Beton. 21 Die Eisenkonstruktion wog insgesamt 280 Tonnen, 20.000 Nietverbindungen hielten sie zusammen. Der maximale Durchmesser des Kugelhauses betrug 24 Meter, die Gesamthöhe knapp 30 Meter. Auf einer Grundfläche von nur zehn mal zehn Meter schuf Birkenholz einen umbauten Raum von rund 7600 Kubikmeter. Maximale Raumausnutzung auf geringster Grundfläche, war das oberste Anliegen des Architekten.
Sein Bau beinhaltete fünf Geschosse, war durch einen Personenaufzug erschlossen und wies in der Mitte einen kreisförmigen, atriumartigen Schacht auf, durch den man hinauf bzw. hinunter blicken konnte. Nur die oberste Etage hatte eine durchgehende Geschossfläche. Hier befand sich ein Cafe-Restaurant mit schräg liegenden Fensterfronten, die einen großzügigen Rundblick auf das umliegende Gelände ermöglichten. Die übrigen Geschosse wurden für Ausstellungszwecke genutzt. Verschiedenste Firmen zeigten moderne Einrichtungsgegenstände für die Wohnung, elektrische Küchengeräte, Büromaschinen, aber
19 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Birkenholz (6.6.2018). Eine fundierte Biografie von Peter Birkenholz, der sich zeitlebens mit Projekten für Kugelhäuser befasste, ist leider bis dato ausständig.
20 Vgl. Susanne von Falkenhausen: KugelbauVisionen. Kulturgeschichte einer Bauform von der Französischen Revolution bis zum Medienzeitalter. Bielefeld 2008.
21 Eine ausführliche Auflistung der beteiligten Firmen findet sich in: Die Technische Stadt, siehe Anmerkung 12, S. 135-136.
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