Aufsatz 
"Die Technische Stadt" : Wie eine Großausstellung in Dresden urbane Zukunftsvisionen prägte / Peter Payer
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Peter Payer

fung umfasste. Eigene Sonderbauten waren speziellen Institutionen und Firmen gewidmet, etwa einer Beratungsstelle für Stahlverwendung, der Technischen Nothilfe in Dresden, einem technischen Verlag, einer Versicherungsanstalt, die über die Gefahren des technischen Fortschritts informierte, oder einem Arbeits­amt, das seine technischen Einrichtungen zeigte.

Von der Spitze des Ausstellungsturms, dem ehemaligen Presseturm der Vorjah­resausstellung, konnte man sich einen Überblick über das Ausstellungsgelän­de verschaffen und mit Hilfe eines Automatenfernrohrs das Stadtgebiet bis hin zur Sächsischen Schweiz und zum Erzgebirge erkunden. Als besonderes Event fand hier abends eineFeuergarbe statt. Besondere Aufmerksamkeit erregten zudem ein Stahlrahmenhaus, das veranschaulichte, wie man ein Wohngebäude innerhalb kürzester Zeit unter Verwendung von genormten Fertigteilen errichten konnte, sowie ein Pavillon, der einen modernen Rundfunkaufnahmeraum und ein Kino enthielt. 16

Letzteres wurde zu einer der Geburtsstätten des Tonfilms in Deutschland. Am Eröffnungstag der Ausstellung fand hier vor begeistertem Publikum die Welt­uraufführung dessprechenden Films System Breusing statt. In der Art einer Kleinkunstaufführung sah und hörte man eine Studentengruppe singen, Schau­spieler Erich Ponto rezitierte Verse von Wilhelm Busch, das TanzspielDer Dra­chentöter war zu bestaunen und als Höhepunkt das vor dem Berliner Schloss aufgenommene StraßenbildDie Wache zieht vorüber, das - wie ein Zeitge­nosse begeistert versicherte -in feinster Abstufung alle Geräusche des Stra­ßenlärms wiedergibt. 17

Zukunftsweisend war schließlich auch ein kleiner, zwölf Sitzplätze aufweisender Elektrobus, mit dem man in den angrenzenden Vergnügungspark fahren konn­te. Dort angekommen, fanden die Besucherinnen u. a. ein Kasperltheater vor, eine Modelleisenbahn, einen japanischen Irrgarten, eine Skooter- und Kegel­bahn, einen Tanzpalast und ein frei zu besichtigendes Planetarium. Dieses war in den Jahren 1925/26 errichtet worden und stellte mit seiner 25-Meter-Kup- pel eintechnisches Wunderwerk dar, das den Sternenhimmel mit Hilfe einer Zeiß-Apparatur in größtmöglicher Naturtreue wiedergab. 18

16 Die Technische Stadt, siehe Anmerkung 12, S. 77-78, 133-134.

17 Der Lignose-Hörfilm in Dresden, in: Österreichische Filmzeitung. Das Organ der österreichischen Filmindustrie (1928), Nr. 24, S. 12. ZumLignose-Hörfilm System Breusing vgl. https://de.wiki- pedia.org/wiki/Lignose_Hörfilm_System_Breusing#cite_note-10 (6.6.2018)

18 Die Technische Stadt, siehe Anmerkung 12, S. 140-141.

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