Peter Payer
der diesbezüglichen Infrastruktur beschäftigte. Im Geleitwort stellte Stadtbaudirektor Franz Musil fest, dass deren Funktionieren vom Großstädter viel zu oft als selbstverständlich vorausgesetzt werde: „Täglich wandern Hundertausende Menschen zu Fuß von ihren Wohnstätten in die City oder benützen die Massenverkehrsmittel, ohne dabei auch nur mit einem Gedanken der Straße zu gedenken, die ihnen gesicherter Weg ist; und doch enthält der Erdkörper dieser Straßen die lebenswichtigen Nervenbündel des Großstadtkörpers, Kanal, Wasser - und Gasleitungen, Stark- und Schwachstromkabel, Preßluftleitungen und anderes. Alle diese Einbauten wollen geplant, geschaffen, sorgfältig überwacht, erhalten und weiterentwickelt sein. [...] Das Wiener Stadtbauamt hat im ersten Jahrhundert seines Bestandes rühmlich Anteil genommen - schaffend und regelnd - an der Auswirkung der Technik auf die Großstadt. In geradezu atemberaubendem Tempo haben sich diese Auswirkungen vollzogen. Das ganze Leben der Großstädter ist dadurch zwingend beeinflusst worden.“ 48 Gleichsam zur (unbekannten) Hauptperson erkoren wurde in dieser Betrachtungsweise der Techniker, der - dezent im Hintergrund und stets im Dienst der Allgemeinheit - seine Leistungen für sich sprechen ließ. 49 Das Bild des selbstlos agierenden Ingenieurs entstand, eines anonymen Helden, der abseits der Öffentlichkeit seinen essentiellen Beitrag für das reibungslose Funktionieren der Großstadt leistete. Ein Image, das in einschlägigen Fachpublikationen weiter vertieft wurde (und letztlich bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg hinein wirksam sein sollte). So wies auch das 1937 erschienene, populärwissenschaftliche Buch „Technik der Stadt“ auf die zentrale Rolle des Ingenieurs hin, der „im Erfolge seiner Tat den schönsten Lohn“ findet. Ganz im Geist der Dresdner Ausstellung erklärte Autor Eduard A. Pfeiffer den „lebendigen Kreislauf großer Siedlungen“ und die Notwendigkeit des Verstehens komplexer technischer Vorgänge. Als anschauliches Beispiel diente ihm dabei die seit einigen Jahren in den Straßen der Städte neu installierte Verkehrsampel: „Es gibt nichts Folgerichtigeres und Einfacheres als die Verkehrssteuerung mit der Drei-Farben-Ampel. Gleichwohl fühlt sich der Landbewohner (der Städter manchmal auch) ihrem Blinken gegenüber so hilflos und feindlich wie ein nächtens ins Scheinwerferlicht eines Kraftwagens geratener Hase, der verstört hin und her springt, bis er wohl gar unter die Räder kommt. Wem aber Ursache und Wirkung bekannt ist, Zweck und Ziel der Einrichtungen verständlich, Sinn und Bedeutung der Anlagen klar
48 Rudolf Tillmann (Hg.): Festschrift herausgegeben anlässlich der Hundertjahrfeier des Wiener Stadtbauamtes. Wien 1935, S. 13-14.
49 Ebd., S. 14.
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