Die Technische Stadt
die Dresdner Großausstellung - auch weiterhin erfolgreich als urbanistisches Leitbild. Die Parameter dafür sind heute und wohl auch in Zukunft aktueller denn je. Denn dass gerade die technische Infrastruktur in besonderer Weise pfadabhängig ist, ist mittlerweile unter Stadtplanerinnen und -historikerlnnen common sense, basiert doch der Ausbau jüngerer Leitungsnetze zu einem wesentlichen Teil auf der technischen Grundausstattung der Moderne. Und nicht selten werden dabei, so die Kritiker, sozialräumliche Ungleichheiten der Vergangenheit für die Zukunft fortgeschrieben . 65 Der Boden als knappe und wertvollste Ressource einer Stadt wird mittlerweile zu einem entscheidenden Teil von Einrichtungen der Technik und des Verkehrs beansprucht. Als Gedächtnis der Stadt kommt ihm somit - real wie symbolisch - auch künftig eine zentrale Bedeutung zu, wie der Berliner Stadtbauhistoriker Johannes Cramer betont: „In allen Städten mit historischen Wurzeln liegen - oft viele Meter unter dem heutigen Gehniveau - unter dem Pflaster der gegenwärtigen Stadt die Relikte der Vorgängerstädte. Sie sind zugleich historisches Relikt, Nährboden der gegenwärtigen Stadt und Ressource für die Zukunft. Gerade in Zeiten der fortschreitenden Technisierung und Globalisierung sind diese Wurzeln für die Rückversicherung der Stadtgesellschaft in ihre eigene Vergangenheit und als identitätsstiftende Träger für einen zukunftsfähigen Städtebau unverzichtbar .“ 66
65 Vgl. Walter Matznetter: Die Zukunft historischer Infrastrukturen. Zur Bündelung staatlicher und privater Leitungsnetze, in: Payer, Gruber, siehe Anmerkung 1, S. 98-103.
66 Johannes Cramer: Architektur: Stadtplanung und Städtebau, in: Harald A. Mieg, Christoph Heyl (Hg.): Stadt. Ein interdisziplinäres Handbuch. Stuttgart, Weimar 2013, S. 18-45, hier S. 43.
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