Johannes Sima
Haustechnik großes Einsparungspotential. Aus Sicht der Denkmalpflege sind deshalb Maßnahmen im technischen Gebäudemanagement zuerst umzusetzen, erst danach folgen Eingriffe in der Bausubstanz.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts bedeutete der Begriff „Haustechnik“ Kamine, Aborte und Brunnen. Mit Wasser-, Gas- und Elektroleitungen erfolgten starke Eingriffe in die historische Bausubstanz, dadurch wurden Malereien und Ausstattungen in den tieferliegenden Zeitschichten zerstört. Die Lebensdauer der Haustechnik beträgt im Allgemeinen 15 bis 50 Jahre (Geräte 15 Jahre, Leitungen 25 Jahre, Heizkörper, Kamine etc. 50 Jahre), jene von historischen Gebäuden jedoch oft das Zehnfache und mehr. Die Integration der sich immer dynamischer entwickelnden Haustechnik in ein Baudenkmal bedeutet, über Generationen gesehen, große Eingriffe durch meist massive bauliche Maßnahmen. Dabei steht nicht die Art der primären Heizsysteme im Vordergrund, sondern die Optimierung der für sie notwendigen Verteilungssysteme. Zudem ist es für künftige Anpassungen wichtig, eine möglichst hohe Variabilität und Reversibilität der Systeme ohne weiteren Substanzverlust sicherzustellen. Durch eine auf das spezifische Baudenkmal ausgerichtete Haustechnikplanung können neue Systeme einen Vorteil darstellen, wenn sie unter der Vorgabe der geringst möglichen Intervention ausgelegt werden.
Durch die komplexe und sensible Regeltechnik ist es möglich geworden, sekundäre Heizsysteme, wie die Bauteiltemperierung, getrennt vom Hauptsystem zu installieren. Heiz- und Temperiersysteme sind voneinander unabhängig zu steuern, da die Temperierung zum Beispiel von Außenmauern, separat und mit geringerer Temperatur als der Hauptheizkreis von Frühling bis Herbst aktiviert werden muss. Ergänzende Stützheizungen werden eingebaut, um an den Oberflächen durch leichte Erwärmung das Raumklima zu stabilisieren und eine Kondensatbildung verhindern zu können. Dies ist besonders an von Auskühlung betroffenen Stellen, wie Ecken, Nischen, Fensterlaibungen, Durchdringungen etc. wichtig und erhöht mit einem relativ geringen Aufwand die Energieeffizienz durch bessere Speicherfähigkeit der Außenwand. Der Effekt entspricht dem allgemein bekannten Umstand, dass ein trockener Socken besser wärmt als ein nasser.
Leitplanken und Wegweiser in die Zukunft: Die Standards der Baudenkmalpflege
Die praktische Anwendung der zuvor beschriebenen Richtlinie zeigte eine wesentliche Erleichterung im Finden denkmalverträglicher Lösungen bei Bau-
166