Vergangenheit als Zukunft
worden ist. Bei gemauerten Objekten hat allerdings der Zustand der Bausubstanz einen dominierenden Einfluss auf den Energiebedarf. Die thermisch-energetische Optimierung hängt in erster Linie von der Lösung der Problematik der Feuchtigkeit und Salzbelastung des Mauerwerks ab. Deshalb beschreibt und bewertet die Richtlinie als Erstes die Außenwände, aus Mauerwerk (Stein, Ziegel), aber auch aus Holz (Blockbau, Ständerbau, Fachwerke).
Die Decken, Böden und Gewölbe, also die horizontalen Bauglieder eines Gebäudes, haben einen großen Einfluss auf den Energieverbrauch eines Gebäudes. So bewirkt bei einem eingeschossigen Bau das Dämmen der Geschoßdecke eine wesentliche Reduktion des Energieverlusts. Da die Deckenkonstruktionen meist aus Holz bestehen, ist eine umfassende bauphysikalische Prüfung von hoher Wichtigkeit, da sie durch Feuchteprobleme aus dem Kondensatausfall besonders gefährdet sind.
Dächer sind integrale Bestandteile eines Baudenkmals, sie stehen in einem unmittelbaren typologischen und bauhistorischen Zusammenhang mit dem aufgehenden Gebäude. Da die historischen Dachkonstruktionen wegen ihrer handwerklich und technischen Ausgereiftheit wichtiger Teil des Denkmals sind, ist eine hochkomplexe bauphysikalische Beurteilung der zu ergreifenden Maßnahmen notwendig; besonders dann, wenn der Dachraum für Wohnzwecke ausgebaut wird und damit das Dach den hohen Anforderungen einer Außenwand entsprechen muss. Dabei sind falsche Lage und Verarbeitung der neuen Dachhaut und Dampfbremse 18 von höchstem Risiko, es sind auch diffusionsoffene Dämmungen den diffusionsdichten vorzuziehen.
Fenster- und Türkonstruktionen sind untrennbarer Bestandteil der Architektur und prägen maßgeblich das Erscheinungsbild des Baudenkmals. Sie zeugen von hohem handwerklichen Können und besitzen neben ihrer ästhetischen Bedeutung auch hohen historischen Quellenwert. Historische Fenster und Türen sowie ihre Bestandteile (Glas, Beschläge, Fensterläden, Jalousien etc.) sind keine Verschleißteile und deshalb grundsätzlich zu erhalten. Die Maßnahmen zur Erhöhung der thermischen Qualität liegen im Bereich der Reparatur und Erhöhung der Dichtheit.
Beim Verfassen der Energierichtlinie stand verständlicherweise das Baudenkmal im Fokus. Der Heizwärmeverbrauch kann einerseits über die Verbesserung der Gebäudehülle verringert werden, andererseits bietet aber der Bereich der
18 Die Dampfbremse ist eine Folie oder Pappe, die verhindert, dass die warme Luft im Inneren eines Raumes, in der Wasser in Form von Dampf gespeichert wird, in die Wärmedämmung eindringen kann. Dort würde der Dampf zu Wasser kondensieren.
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