Vergangenheit als Zukunft
Die Zielsetzung bei der Erstellung der Standards der Baudenkmalpflege war es, eine Matrix für die denkmalpflegerischen Entscheidungsprozesse zu erstellen. In diesem Grundgerüst sollen verschiedene Faktoren mit unterschiedlichen Gewichtungen wie ästhetische Bedeutung, Bauzustand, Planungs- und Funktionsanforderungen sowie rechtliche (nicht nur denkmalrechtliche) und soziale Vorgaben eine Rolle spielen. 20
Der Aufbau der Standards bildet die drei Bereiche ab, die bei der Befassung mit einem Baudenkmal zu behandeln sind, sozusagen das ABC der Baudenkmalpflege: A ERFASSEN bildet den Themenkreis aller Arten von Bestandsaufnahmen und Voruntersuchungen. Behandelt werden darin die Bauaufnahme, die bauhistorische und archäologische Untersuchung sowie technisch-naturwissenschaftliche Erhebungen.
B ERHALTEN umfasst naturgemäß den größten Bereich und betrifft alle Bauteile und Ausbauteile eines Gebäudes. Daher werden Materialien, die Oberflächen, die künstlerischen und kunsthandwerklichen Ausstattungen behandelt. Im Wesentlichen handelt es sich um Instandsetzungs-, Reparatur- und Konservierungsmaßnahmen. Auf über 1 20 Seiten werden in fünf übergeordneten Kapiteln die Instandsetzung im Allgemeinen, die Materialien und Oberflächen, die einzelnen konstruktiven Bauteile (Verputze, Stein, Ziegel, Mauerwerke generell, Glas, Metalle etc.), Dachdeckungen und Ausbauelemente sowie künstlerische und kunsthandwerkliche Ausstattungen ebenso wie die denkmalgerechten Maßnahmen und Anwendungen erläutert und vorgegeben.
C VERÄNDERN behandelt Themen, die bei Nutzungsänderungen und dem damit verbundenen Veränderungsdruck auf das Denkmal entstehen. Es werden die Maßnahmen und Interventionen am Baudenkmal beschrieben, vom Kellereinbau bis zum Dachausbau, von historischen Gärten und Parkanlagen und vom heiklen Umgang mit Ruinen, die deshalb Denkmale wurden, weil sie bereits verfallen sind.
Die Gliederung der einzelnen Kapitel zeigt jeweils einen Grundsatz, dem daraus folgende Regeln angegliedert sind. Die Grundsätze spiegeln allgemeine denkmalpflegerische Haltungen zu den jeweiligen Themen wider und sind von länger gültiger, prinzipieller Art. Die daraus abgeleiteten Regeln behandeln technologische, materielle, methodische und konstruktive Details. Da die „Standards der Baudenkmalpflege“ als leicht benutzbares Handbuch und Nachschlagewerk
20 Ebd.,S.6f.
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