Selber machen
Jonathan Voges von der Universität Hannover schaffte es mit seiner mittlerweile erschienenen umfangreichen und preisgekrönten Dissertation in die Feuilletons der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der Hamburger „Zeit“. 1 Die Aufsätze umfassen ein weites Spektrum, beispielsweise die Wiederentdeckung der Handspinnerei, den Selbstbau von Musikinstrumenten sowie von hölzernen Masken und Möbeln, Konzepte des „urban farming“ und das Verhältnis des „maker movements“ zum 3D-Druck. Christian Schönholz als Bearbeiter des letztgenannten Themas schildert zunächst die Entstehung der Maker-Bewegung, die am Beginn dieses Jahrhunderts in den USA entstanden ist. Nach ihrem Vorbild gründeten Vertreter jener Szene, die man hierzulande früher gerne als Bastler oder Tüftler bezeichnet hat, auch in europäischen Ländern eine Reihe sogenannter „FabLabs“, und vernetzten sich mit der „Repair“-Bewegung, die ihren Ausgang in den Niederlanden nahm. Ein in diesen Kreisen verbreitetes und viel propagiertes Gerät ist der 3D-Drucker, mit dessen Hilfe auf Basis einer Computersteuerung Schicht für Schicht Material aufgetragen und somit buchstäblich ein vorprogrammierter Gegenstand erzeugt wird. Die Anfänge solcher generativer Fertigungsverfahren reichen in die Mitte der 1980er-Jahre zurück, erst seit relativ kurzer Zeit sind 3D-Dru- cker auch für größere Käuferschichten leistbar. Innerhalb der Maker-Bewegung verbindet sich mit dem 3D-Druck der Anspruch, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts dominierte Massenproduktion gleichartiger Gegenstände durch individuell gefertigte Produkte zu ersetzen und dabei auch die Produktion aus den Fabriken in die Haushalte zu holen. Christian Schönholz wirft einen sehr nüchternen Blick auf diesbezügliche Prophezeiungen. Die gerne angesagte „Revolution“ durch den 3D-Druck, so meint er, scheitere bislang am hohen Zeit- und Materialaufwand, an der eher geringen Größe der herstellbaren Objekte und am Umstand, dass die zur Fertigung verwendeten Werkstoffe - meistens Kunststoffe - beim derzeitigen Stand der Technik keine längere Haltbarkeit der Produkte gewährleisten können.
Einen witzigen Zugang finden Benjamin Eugster und Richard Schwarz unter dem sperrigen und ironisch gemeinten Beitragstitel „Vorgelagerte Selbstermächtigung. Autoethnographie einer dinglich-digitalen Bastelübung“. Die Autoren reflektieren über ihre Erfahrungen mit Anleitungen zum Gebrauch eines „Arduino“ und eines „Raspberry Pi“, zwei recht bekannten elektronischen Artefakten, die einfache Schritte des Programmierens ermöglichen; sie beschreiben
1 Jonathan Voges: Selbst ist der Mann. Do-it-yourself und Heimwerken in der Bundesrepublik Deutschland. Göttingen 2017.
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