25 Grenzenlos: der„Deutsch-Österreichische Telegraphenverein“ Am 15. Februar 1850 wird der Staatstelegraf für private Korrespondenz freigegeben. 1 „Provisorische Bestimmungen über die Benützung der k. k. Staats-Telegraphen von Seite des Publicums“, datiert mit 14. März, legen fest, dass jede aufgegebene Privatdepesche auf dem vorgedruckten Formular deutlich und ohne Abkürzungen geschrieben sein muss, selbstverständlich nicht chiffriert. Sie muss die Namen des Absenders und des Empfängers enthalten; andernfalls darf sie nicht übermittelt werden. Der Umfang soll 100 Worte nicht übersteigen. Die Gebühr errechnet sich aus einer pauschalen Manipulations- und einer Beförderungsgebühr, je nach Anzahl der Worte und der Distanz. So kostet eine telegrafische Depesche mit 20 Worten nach Triest 9 Gulden 13 Kreuzer, was einen überaus hohen Betrag darstellt. 2 Zwischen 9 Uhr abends und 7 Uhr morgens wird auch noch ein Nachtaufschlag fällig. Gegen Entrichtung einer eigenen Gebühr kann überdies„collationirt“ werden, das heißt, die Zielstation telegrafiert den bei ihr eingegangenen Text retour, damit der Aufgeber Gewähr über die korrekte Übermittlung seiner Nachricht erhält. Durch diese Zuschläge kostet besagte Depesche letztlich das Dreifache des ursprünglichen Preises. An den hohen Gebühren wird die Intention der Staatsverwaltung erkennbar, die Masse der Bevölkerung vom Telegrafen fernzuhalten. Man übernimmt auch keinerlei Haftung für Schäden, die durch unzureichende Übermittlung entstehen. Im günstigsten Fall erhält die Kundschaft bei technischem Versagen ihr Geld zurück. Außerdem herrscht Zensur. Nachrichten, die gegen Gesetze verstoßen oder aber aus politischen sowie Rücksichten des öffentlichen Wohles als ungeeignet erscheinen, sind von der Beförderung grundsätzlich ausgeschlossen. Über die Eignung entscheidet der Vorsteher des betreffenden Telegrafenamts. Darüber hinaus behält sich die Staatsmacht auch weiterhin vor, wenn nötig, die Beförderung gänzlich einzustellen. 3 7 Buchstaben und Ziffern, gebildet aus kurzen und langen Stromimpulsen.
Dokument
Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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