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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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26 Carl August Steinheil wirbt dennoch für die junge Technik. In einem Ar­tikel, der in verschiedenen regionalen Zeitungen wie der Grazer Zeitung abgedruckt wird, schreibt er: Im Handel wäre oft eine Frage um den Verkaufspreis an einem entfern­ten Orte ungemein wichtig, aber die Antwort würde zu spät kommen, um Euch hier darnach richten zu können. Der Telegraph bringt sie gleich. Ein Dieb, ein Mörder erreicht nach vollbrachter Missethat die Eisenbahn, und entflieht jetzt mit der schnellsten Fähre der gerechten Strafe, aber wenn er in der Ferne ankömmt, wird er schon beim Aussteigen arretirt. Wie ist das möglich? Der Telegraph hat es vorher gemeldet! Eine Feuersbrunst ergreift Euere Habe, aber im Augenblicke, wo die Flammen auflodern, fah­ren auch schon die Spritzen zu Euerer Hülfe vom Spritzenhause ab. Wie ist das möglich? Der Telegraph der Feuerwacht hat die Nachricht gegeben! 4 Ab Oktober arbeiten im Wiener Telegrafen-Zentralamt unter der Leitung von Johann Baptist Stark zwei Obertelegrafisten, acht Telegrafisten, sieben Aushilfstelegrafisten und fünf Leitungsaufseher. Das von hier ausgehende Netzwerk besteht mittlerweile aus mehreren Linien. Eine führt von Wien über Olmütz nach Prag. Auf halber Strecke existiert eine Abzweigung nach Oderberg, den Grenzort zu Preußen, wo eine Verbindung nach Krakau abgeht. Eine weitere Linie führt von Wien über Brünn nach Prag. In Prag schließt eine Linie nach Bodenbach, an der Grenze zu Sachsen, an. Auf der Linie von Wien nach Pressburg wird in Richtung Pest weitergebaut, und im Süden entsteht eine Linie von Wien über Graz und Laibach nach Triest mit einer Abzweigung nach Agram. In den unsicheren italienischen Gebieten und in Ungarn werden Drähte unterirdisch geführt. Nachdem im Betrieb aber hohe Stromverluste und Übermittlungsstörungen auftreten, müssen in der Folge auch hier Freileitungen errichtet werden. In Richtung Westen wächst die Linie von Wien über Linz nach Salzburg samt Verlängerung nach Innsbruck und von dort weiter westwärts nach Bregenz und südwärts nach Bozen. Nach und nach überzieht das Telegrafennetz das Territorium der Monarchie. Die Entfernungen schwinden. Bislang eine mehrtägige Reise von der Metropole Wien entfernt, ist die Hafenstadt Triest jetzt durch den Telegrafen noch am selben Tag erreichbar. Es ist ein epochaler Schritt für den Handel. Um Österreich stärker als bisher in den prosperierenden deutschen Wirtschaftsraum einzubinden, 5 verhandelt Handelsminister von Bruck mit seinem preußischen Amtskollegen August von der Heydt über Erleich­terungen im grenzüberschreitenden Telegrafenverkehr. Zwischen Triest,