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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
Entstehung
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27 Wien, Oderberg, Berlin und Hamburg soll eine durchgehende telegrafi­sche Verbindung entstehen, im Grenzort Oderberg ein gemeinsames Tele­grafenamt mit Beamten beider Staaten. Auch mit Bayern wird über einen Zusammenschluss der Telegrafennetze verhandelt. Nach Inbetriebnahme der Verbindung zwischen Wien und Salzburg entsteht eine Grenzstation, in der bayrische und österreichische Depeschen ausgetauscht werden. Es folgt die Einrichtung einer entsprechenden Grenzstation in Bodenbach, die das österreichische und das sächsische Netz verbindet. Im Juli 1850 unterzeichnen Vertreter der Staaten Österreich, Preußen, Bayern und Sachsen den Gründungsvertrag des Deutsch-Österreichischen Telegraphenvereins. 6 Damit entsteht ein internationales Netzwerk, von dem der österreichische Staatstelegraf anfangs mit rund 3.500 Kilometern Leitung mehr als die Hälfte stellt. Unmittelbare Folge ist ein Sinken der Tarife. Eine Depesche nach Triest mit bis zu 20 Worten kostet jetzt nur noch 5 Gulden 25. Die Manipulationspauschale entfällt und die Kollati­onierungsgebühr wird reduziert. Die Zahl an abgefertigten Privatdepe­schen nimmt deutlich zu. Während bisher monatlich auf allen Ämtern der Monarchie zusammen zwischen 260 und 387 gezählt worden sind(davon rund die Hälfte jeweils im Wiener Telegrafenamt), sind es im Oktober, dem ersten Monat der Vereinszugehörigkeit, mehr als 700(die Hälfte davon wieder in Wien). 7 In besagtem Monat werden allerdings auch noch über 1.900 Staatsdepe­schen von zivilen und militärischen Behörden befördert, 8 vorrangig sowie zensur- und gebührenfrei. Noch dominiert der Staat den Betrieb. Aus Angst vor einer neuerlichen Revolution herrscht zudem penible Überwa­chung. So wie das Briefgeheimnis außer Dienst gestellt und die Presse ei­ner formellen Zensur unterworfen ist, aber auch viele ausländische Zeitun­gen und Bücher verboten sind, um aufrührerische Gedanken fernzuhalten, so wird auch der private Telegrafenverkehr observiert. Die Telegrafenäm­ter müssen die originalen Privatdepeschen samt Papierstreifen regelmäßig an vorgesetzte Zentralstellen übersenden, 9 offiziell, um Beschwerden von Kunden begegnen zu können, die eine mangelhafte Übermittlung bekla­gen. Inoffiziell können dadurch jedoch auch Justiz und Polizei jederzeit Einblick in die Korrespondenz der Untertanen nehmen. Seitens des Deutsch-Österreichischen Telegraphenvereins hat man dem Publikum eine schnelle Übermittlung in Aussicht gestellt, sich dabei aber nicht festgelegt, wie schnell. Jetzt wird beschlossen, im Mindesten schneller als Post und Eisenbahn sein zu wollen. Dies ist ein bescheidener Anspruch, dennoch schwer einzulösen. Da unterschiedliche Telegrafensys­teme in Verwendung stehen, müssen grenzüberschreitende Depeschen