33 tement , das für den Bau des Telegrafennetzes, für die nötigen Apparate sowie für die zentrale Werkstätte und das Zentraldepot sorgt. Der Direktion unterstehen Telegraphen-Inspectoren , welche in den Regionen die Kontrolle der örtlichen Linien ausüben. Den Inspektoren sind Commissäre unterstellt, die im Zuge von Inspektionsreisen sowohl Leitungen als auch die Apparate in den Telegrafenämtern prüfen und für die Instandhaltung sorgen. Einer der leitenden Telegrafenbeamten ist der Bayer Hermann Militzer, der zunächst als Technischer Assistent bei Steinheil gearbeitet und danach als Telegraphen-Commissär die südlichen Linien nach Triest, Laibach und Klagenfurt sowie Cilli und weiter zur kroatischen Grenze betreut hat. 1856 wird er zum Telegrafeninspektor befördert. 21 Ein anderer Telegrafeninspektor ist Engelbert Matzenauer, der in Innsbruck wirkt und sich dort unter anderem hinsichtlich der Kontrolle der Leitungen Gedanken macht. Davon, den berittenen, fahrenden oder zu Fuß gehenden Aufsehern Apparate in die Hand zu geben, damit sie Leitungsunterbrechungen in ihren Abschnitten finden und beheben können, rät er aus Kostengründen – und weil er eine Beeinträchtigung des Telegrafenbetriebs durch unsachgemäße Anwendung befürchtet – ab. Stattdessen entwickelt er eine„physiologisch-elektrische Signalisirungsmethode“ – eine durchaus zweifelhafte Methode. Morgens, mittags und abends hat der Aufseher eines Abschnitts zu festgelegter Stunde buchstäblich seine Hand an die Leitungsdrähte zu legen und eine allfällige Störungsnachricht einer der benachbarten Stationen zu erfühlen, um zu erfahren, ob eine seiner Leitungen defekt ist. Er kann dann umgehend und zielgerichtet die schadhafte Stelle suchen und reparieren. 22 Laut Matzenauer seien die Aufseher sehr zufrieden mit dieser Methode, die ihnen bei der Suche viele unnötige Kilometer erspare. Und die Stromschläge seien sie von der Arbeit an den Leitungen ohnehin gewöhnt… Zu den Aufgaben der Inspektoren zählt auch die Aufsicht über das Personal und die Ausbildung des Nachwuchses. Zweimal jährlich werden in Wien und in den Inspektoraten in Innsbruck, Lemberg, Pest, Prag, Temesvár, Triest, Verona und Zara Telegrafistenkurse ausgerichtet. Sie dauern zwischen acht und zehn Wochen und ihr Lehrstoff umfasst Administratives wie Technisches, Theorie und Praxis. Kandidaten müssen zwischen achtzehn und dreißig Jahre alt sein und sich einer Vorprüfung unterziehen, deren Ergebnis für die Aufnahme in den Kurs entscheidend ist. Sie müssen einen tadellosen Lebenswandel vorweisen und eine allfällige frühere Verwendung im Staatsdienst wie in privaten Diensten mit Zeugnissen belegen können. Erwünscht sind Vorkenntnisse der Mathematik, Physik, Chemie und Mechanik, des Weiteren eine schöne Handschrift und Sprachkenntnis-
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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