32 und Sébastien-Théodore Digney einen ähnlichen„Farbschreiber“. 17 Diese neuen Apparate zeichnen sich neben guter Lesbarkeit dadurch aus, dass sie keinen zusätzlichen Strom benötigen. Der schwache Telegrafierstrom genügt, um die Farbmarken aufzubringen. Bauteile wie das Relais und die Lokalbatterie werden obsolet, was eine bedeutende Einsparung an Material wie beim Stromverbrauch bringt. Unabhängig davon bleibt das größte Manko des Morsetelegrafen bestehen: die Gebegeschwindigkeit ist höchstens die, zu der ein Telegrafist fähig ist. Eine telegrafische Nachricht kann nur so schnell übermittelt werden, wie ein Mensch die Taste bedienen kann. Um diese Schwelle zu überwinden, arbeiten Konstrukteure in verschiedenen Ländern an einer Automatisierung des Sendens. Stark frequentierte Linien wie die von Wien über Pressburg und Pest ins siebenbürgische Hermannstadt erhalten überdies zusätzliche Drähte, und es wird versucht, die einzelne Drahtleitung optimal auszunutzen. Gintl entwickelt ein Verfahren, mit dem eine Leitung gleichzeitig in beide Richtungen verwendet werden kann; ein Verfahren, das„Gegensprechen“ genannt wird und bei dem die gegenläufig gesendeten Nachrichten unterschiedlich hohe Stromspannungen nutzen. Ein Testlauf zwischen Wien und Prag ist erfolgreich, doch erweist es sich als schwierig, die an beiden Stationen eingeschalteten Batterien bei konstanter Spannung zu halten, was für das Funktionieren notwendig ist. Besser funktioniert es mit Gintls elektrochemischem Schreibapparat, der im Testbetrieb zwischen Wien und Linz verwendet wird. 18 Ungeachtet dessen wird im April 1855 zwischen Wien und Triest ein auf Morseapparaten basierender Gegensprechbetrieb aufgenommen. 19 Doch das Kapazitätsproblem ist auch damit nicht gelöst. Josef Ressel meint, die Handelskorrespondenz eines Tages, die zwischen Wien und Triest anfalle, könne der elektrische Telegraf nicht in einem Jahr befördern. Er schlägt deshalb die Einrichtung einer Rohrpost vor. Eine durchgehende Rohrleitung, verlegt auf der Eisenbahntrasse, soll per Luftdruck Behälter mit Briefen transportieren. Auf diese Weise wäre es möglich, umfangreiche Schriftstücke binnen weniger Stunden zwischen Wien und Triest zu übermitteln und täglich bis zu zwei Mal zu korrespondieren. 20 Das Projekt wird nicht realisiert. Am 1. September 1856 wird die Telegrafie aus der Zuständigkeit der Post gelöst und als k.k. Staats-Telegraphen-Anstalt eigenständig organisiert. Der in Wien sitzenden Telegraphen-Direction obliegt fortan die Leitung des Telegrafenwesens auf dem gesamten Gebiet der Monarchie. Sie besteht aus einem Administrativen Departement , das für Verwaltung, Personal und Reklamationen zuständig ist, und einem Technischen Depar-
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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