31 11 Gintls elektrochemisches Aufzeichnungsverfahren. ziehbare Federwerke zum Einsatz. Die Morsezeichen werden mithilfe eines Metallstifts in den hindurchgleitenden Papierstreifen geprägt, weshalb dieser Gerätetyp auch„Reliefschreiber“ genannt wird. Durch Einschaltung eines elektrischen Relais wird über eine Lokalbatterie zusätzlicher Strom bereitgestellt, um genug Druck für den Prägevorgang zu erzeugen. Trotzdem sind die Zeichen am Papier mitunter schlecht lesbar. Um Abhilfe zu schaffen, entwickelt Gintl, der nach Steinheils Ausscheiden aus dem Staatsdienst auch für die technischen Belange zuständig zeichnet, einen „elektro-chemischen Schreibapparat“, den er im Juni 1853 in der Wiener Akademie der Wissenschaften präsentiert. Bei diesem Apparat prägt der metallene Stift bei eingehenden Stromimpulsen nicht das Papier, sondern schließt einen Stromkreis. Der darunter durchlaufende Papierstreifen ist mit Kochsalzlösung oder verdünnter Schwefelsäure getränkt, um leitfähig zu sein, wodurch die Stromimpulse darauf eine chemische Reaktion auslösen, welche die Morsezeichen in Form violetter Punkte und Striche am Papier erscheinen lässt. 16 Der neuartige Apparat kommt bei einigen Stationen zum Einsatz, arbeitet aber nicht fehlerfrei. Oft ist das Papier nicht feucht genug, sodass es seine Leitfähigkeit einbüßt und Zeichen verloren gehen. Gintls Verfahren wird von einem anderen in den Hintergrund gedrängt. Bei diesem System von Thomas John in Prag läuft ein Schreibrädchen an einer farbgetränkten Filzrolle vorüber, um Farbe aufzunehmen und die Zeichen auf das Papier zu schreiben. In Paris konstruieren die Brüder Jean-Didier
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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