43 Im Februar 1855 sinkt abermals ein französisches Schiff mit Kurs auf die Krim. Es gerät mit hunderten Soldaten an Bord südlich von Korsika in einen Sturm und zerschellt an einem Riff. Angesichts dieser erneuten Katastrophe sammelt Verrier aktuelle Angaben zu Luftdruck, Temperatur, Windrichtung und Bewölkung, die Tag für Tag von diversen Stationen in ganz Frankreich nach Paris telegrafiert werden, um daraus Wetterkarten zeichnen und Prognosen samt Sturmwarnungen ableiten zu können. In den folgenden Jahren initiiert er einen europaweiten Datenaustausch, an dem sich viele Staaten beteiligen. Ab 1863 gibt er regelmäßig einen Wetterdienst heraus, von dem vor allem die Schifffahrt profitiert. Der Dienst ergeht auch an die Wiener k.k. Reichsanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus , von wo aus die Erkenntnisse an diverse Adriahäfen weitergeleitet werden. Im Gegenzug liefert die Wiener meteorologische Anstalt regelmäßig Angaben aus ihrem Einzugsgebiet nach Paris. Ab Juni 1865 gibt sie selbst gesammelte telegrafische Wettermeldungen von fünfzehn österreichischen und italienischen Beobachtungsstationen täglich an die Adriahäfen weiter. 10 Bald danach wird ein Telegraphischer Witterungs-Bericht der Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus mit Wetterangaben aus allen Ecken der Monarchie auch in verschiedenen Tageszeitungen abgedruckt und damit Allgemeingut. Die Telegrafie treibt die Globalisierung voran. Nach der Unterzeichnung eines internationalen Telegrafenvertrags am 17. Mai 1865 in Paris 11 lebt nach den Jahren des amerikanischen Bürgerkrieges auch das Projekt eines transatlantischen Kabels wieder auf. Initiator ist der britische Industrielle John Pender. Am 23. Juli 1865 läuft mit dem erst einige Jahre zuvor vom Stapel gelaufenen Dampfsegelschiff Great Eastern das weltweit größte Schiff aus dem irischen Hafen Valentia aus. Das Schiff ist groß genug, um das gesamte benötigte Kabel zu transportieren. Die Verlegung beginnt, verläuft lange Zeit erfolgreich, doch nach rund zwei Dritteln des Weges reißt das Kabel und das Ende versinkt in der Tiefe. Alles beginnt von vorn. 12 Ein Jahr später ist das fehlende Kabel nachproduziert und der Kabelleger Great Eastern läuft erneut aus. Man hat aus den vorangegangenen Erfahrungen gelernt und verlegt Kabel ohne Zwischenfälle bis nach Heart´s Content auf Neufundland. Auf dem Rückweg gelingt es sogar, das im Vorjahr abgerissene Kabel aus tausenden Metern Tiefe vom Meeresgrund zu bergen und es an das an Bord noch vorrätige Kabel zu montieren. Als das Schiff neuerlich Heart´s Content erreicht, existieren zwei transatlantische Kabel. Aufgrund der langen Leitung bedarf es spezieller, sehr empfindsamer Empfangsapparate wie des„Siphon Recorders“ des britischen Physikers
Dokument
Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
Seite
44
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten