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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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47 Berlin und Warschau nach Odessa ans Schwarze Meer und von dort weiter als Seekabel, da der Landweg noch nicht erschlossen ist. Wieder an Land führt die Linie nach Tiflis in Georgien und über Täbris, Teheran, Isfahan, Schiras und Buschir an den Persischen Golf; dort schließt ein Seekabel durch die Straße von Hormus nach Karatschi an, wo ein Anschluss an das bestehende Landkabel nach Bombay erfolgt. In Bombay verzweigt sich die Linie nach Delhi, Benares, Kalkutta, Madras und Ceylon. Einen Rückschlag bringt im Sommer 1870 ein Erdbeben, das mehrere Brüche am Seekabel im Schwarzen Meer verursacht. Es müssen Freileitun­gen über das Gebirge gezogen werden. Als die Linie endlich in Betrieb geht, ist die Begeisterung groß, reduziert sie die Distanz zwischen London und Kalkutta doch auf kaum eine halbe Stunde. Siemens erinnert sich:Es erregte berechtigtes Aufsehen in England, als bei den ersten officiellen Versuchen London und Kalkutta durch eine Linie von über zehntausend Kilometer Länge so schnell und sicher mit einander sprachen wie zwei benachbarte englische Telegraphenstationen. 18 Siemens hat allerdings Konkurrenz in der Person des Briten John Pen­der, der an der Verlegung des Atlantikkabels beteiligt war und auch im Mittelmeer aktiv ist. Er verlegt mit seiner Gesellschaft ein Seekabel nach Alexandria, bindet dieses an das Netz des ägyptischen Staatstelegrafen und in der Folge an ein neu verlegtes Seekabel an, das von Suez durch die Straße von Hormus über Aden nach Bombay führt. Auch Pender schafft eine Verbindung zwischen London und Bombay. 19 In diesen Jahren bemüht sich auch Österreich-Ungarn um eine Anbindung an die Indienlinie. Nach Eröffnung des Suez-Kanals erhofft man sich davon eine Belebung des Handels. Britische Ingenieure haben bereits 1867 eine von Kaiser Franz Joseph gewährte Konzession zur Legung eines Seeka­bels entweder direkt von Ragusa(Dubrovnik) nach Malta oder von Ragu­sa nach Corfú(Korfu) und weiter nach Malta erhalten. Doch das Projekt kommt nicht zustande, die Konzession erlischt Jahre später ungenutzt. 20 Die österreichischen Anstrengungen in Sachen Seekabeln bleiben letztlich bescheiden und überwiegend auf Strecken entlang der Küsten oder zur Anbindung küstennaher Inseln beschränkt.