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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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53 dies noch in der ersten Umdrehung geschehen. 10 Die faktische Übermitt­lungsgeschwindigkeit hängt also neben technischen Gegebenheiten wie der Drehgeschwindigkeit des Typenrads auch von der Zusammensetzung der Worte und damit wesentlich von der Geschicklichkeit des Telegrafisten ab. Das nötige Feingefühl setzt eine langwierige Ausbildung voraus. Zur Optimierung der Eingabe entwickelt sich ein speziellerFingersatz, der genau vorgibt, welche Tasten mit welchen Fingern zu drücken sind. Gut eingelernt, soll dieses System dem Operateur ermöglichen, die Augen auf dem einzugebenden Text zu belassen, während die Eingabe mit den Händen blind erfolgt. 11 Der Hughestelegraf firmiert alsDrucktelegraph, da jede übermittelte Depesche in lesbaren Typen auf Papierstreifen gedruckt wird. Dadurch entfällt im Unterschied zum Morsesystem das Rückübersetzen in Klartext. Textverstümmelungen, wie sie bei Morsezeichen oftmals vorkommen, sind so gut wie ausgeschlossen, zumal die gesendete Depesche zur Kontrolle auch beim Sender ausgedruckt wird. Abgesehen davon sieht die amtliche Bedienungsvorschrift vor, dass ein Hughestelegraf grundsätzlich von zwei Beamten zu bedienen ist: einer telegrafiert, ein anderer kontrolliert. Der Kontrollierende hat die ausgedruckten Streifen der gerade abgesende­ten Nachricht mit dem Originaltext am Aufgabeformular zu vergleichen. Übermittlungsfehler teilt er dem telegrafierenden Kollegen mit, welcher umgehend die korrigierten Passagen nachsendet. In der Regel werden Depeschen in Serien zu fünf Stück befördert, und zwar abwechselnd, also fünf in die eine und fünf in die andere Richtung. Den Kopf einer eingehenden Nachricht bilden Angaben wie die PhraseVienne de Paris, die darauf verweist, dass sie aus Paris nach Wien gegangen ist. Es folgt eine Zahl, die für die Nummer der Depesche steht, weitere Zahlen verweisen auf die Anzahl der Worte, die es umfasst, sowie auf Datum und Uhrzeit der Aufgabe. Ein Doppelstrich trennt diesen Eingangsteil von der Adresse, ein weiterer die Adresse vom eigentlichen Text und ein dritter den Text von der Unterschrift. Zur Sicherheit werden danach die Zahlenangaben wiederholt. Vor einer neuen Depesche der Serie sind drei Kreuze zu senden. Zuletzt quittiert die Empfangsstation den Erhalt der Serie. 12 Die eingegan­genen Streifen werden zugeschnitten und auf ein Formular geklebt, dann können die Depeschen an die Empfänger zugestellt werden. Während der Morseapparat mit kaum 800 Worten pro Stunde vorrangig bei kleinen Stationen mit wenig Verkehr in Verwendung bleibt, setzt sich der Hughestelegraf mit einem Stundenmittel von 1.200 Worten 13 und mehr zwischen Stationen mit Direktverbindungen auf großen Entfernungen und viel Verkehr durch; auf Linien wie jenen vom Knoten Wien nach Berlin, Frankfurt am Main, Konstantinopel, Paris, Pest, Prag, Temesvár oder Triest.