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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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58 Monat, zuzüglich Prämien für Mehrleistung bei der Telegrammabwicklung und für Nachtdienste, wie sie auch männlichen Telegrafisten zustehen. Eine Erhöhung um monatlich fünf Gulden kann durch den Nachweis um­fangreicher Sprachkenntnisse und um weitere fünf Gulden durch Einschu­lung auf den Dienst am Hughestelegrafen erzielt werden. Nach einem halben Jahr wird das Grundgehalt auf 25 Gulden erhöht. Das Dienstver­hältnis gilt aber als zeitlich befristet und begründet für spätere Zeiten keine Altersversorgung. 27 Anders die Situation bei männlichen Telegrafisten: Sie haben einen Pensionsanspruch und verdienen das Doppelte bis zum Dreifachen ihrer Kolleginnen; nicht gerechnet die Quartiergelder, die es in manchen Fäl­len zusätzlich gibt. Obwohl die Frauen dieselben Pflichten haben wie die Männer, inklusive Schweigegelöbnis und Kostenersatz aus der eigenen Tasche bei dienstlichen Verfehlungen, ist ihr Status der von Tagelöhnern (Diurnisten). Sie sind kurzfristig kündbar, sogar fristlos bei Verletzung des Dienstgeheimnisses, Nichterscheinen zum Dienst oder unent­schuldigtem Verlassen des Dienstes sowie bei Verehelichung(!). Die Frauen werden als Lohndrücker benutzt, wofür sie auch noch den Zorn männlicher Kollegen ernten. Ein erboster Telegraphen-Offizial wendet sich kategorisch dagegen, dass der Staat Frauen in den Staatstelegra­fendienst aufnimmt und sie somitauf gleiche Stufe mit Männern stellt, welche diese Stellung erst nach langen Studien, Mühen und Kämpfen errungen haben. 28 Um männliche Beamte nicht in ihrer Standesehre zu kränken, sollten Frauen wenn überhaupt nur bei kleinen Stationen Aushilfsdienste leisten oder untergeordnete Tätigkeiten bei größeren Stationen wie den Dienst auf Lokallinien oder das Ausgeben, Verbuchen und Sortieren von Telegrammen. Eine Domäne der Männer bleibt das Militär, wo sich die elektrische Telegrafie nach anfänglicher Geringschätzung ebenfalls festsetzen kann. Die verlorenen Kriege der letzten Jahre mögen ihren Anteil an der Einstellungsänderung gehabt haben. Im Juli 1866, also in der Entschei­dungsphase des Krieges gegen Preußen, hat das Kriegsministerium den Telegrafeningenieur Carl Albert Mayrhofer beauftragt, eineaeronau­tisch-telegraphische Observations-Station zu entwickeln. 29 Dahinter verbirgt sich ein Heißluftballon, in dessen Korb ein Beobachter sitzt, der von hoch oben das Schlachtfeld beobachtet und seine Beobachtungen mittels Telegrafendraht nach unten in einen gedeckten Pferdewagen weitergibt. Auf diese Weise soll der Kommandeur am Boden jederzeit guten Überblick über die Lage haben. Die Konstruktion kommt aber nicht mehr rechtzeitig, der Krieg geht verloren.