85 setzt. Die Lochung erfolgt auf einem mit einer schreibmaschinenähnlichen Tastatur versehenen Locher nach einem optimierten Baudotalphabet. Der fertige Lochstreifen wird dann zwischen zwei eng aneinander liegenden Kontakten hindurchgezogen. Bei jedem Loch erfolgt eine Berührung der Kontakte und es entsteht ein Stromimpuls, der in die Leitung abgegeben wird. An der Empfangsstation erzeugen die übermittelten Stromimpulse mithilfe eines Lochers wieder einen Lochstreifen, welcher automatisch in einer zum elektrisch angetriebenen Druckapparat umgebauten Schreibmaschine in Buchstaben auf ein Blatt Papier gedruckt wird, wenn nötig auch gleich in mehreren Exemplaren. 29 Dieser Apparat, der sich zur Übermittlung langer journalistischer Texte anbietet, kommt zwischen Wien und Prag zum Einsatz. Nach der Jahrhundertwende erweist sich das Telegrafengebäude erneut als zu klein. Im Apparatesaal im dritten Stock versehen bereits rund 300 Beamte und Manipulantinnen gleichzeitig ihren Dienst. Um die Raumnot zu lindern, wird dem Gebäude ein viertes Stockwerk aufgesetzt und eine Neugliederung der Räumlichkeiten vorgenommen. Im zentralen Eingangsbereich im Parterre befinden sich neben Schaltern für die Telegrammaufgabe nun gediegene Warteräume für die Telefonbenutzung, schließlich gehöre die Klientel„vorwiegend den besten Gesellschaftsklassen“ an. 30 Fünf öffentliche Telefonzellen stehen für Kunden, acht weitere für Journalisten der Tagespresse zur Verfügung. Des Weiteren befinden sich im Parterre neben dem örtlichen Postamt die Rohrpostzentrale, die telefonische Telegrammvermittlungsstelle sowie das Zentralexpedit, wo die bei der Annahmestelle im Haus, bei anderen Telegrafenämtern sowie telefonisch oder mittels Rohrpost aufgegebenen Telegramme gesammelt und zur Abfertigung weitergeleitet werden. Das Zentralexpedit sorgt zudem für die Zustellung eingehender Telegramme an die Adressaten, gegebenenfalls für deren Weiterleitung mittels Rohrpost an die zuständigen Lokalämter oder für deren direkte telefonische Übermittlung an die Empfänger. Darüber hinaus erledigt es Annahme und Zustellung aller im Rayon anfallenden Rohrpostsendungen. Im ersten und zweiten Stock des Telegrafengebäudes befindet sich neben Büroräumen die Technische Abteilung der Post- und Telegraphenzentralleitung , welche über ein mit modernsten Instrumenten ausgestattetes Mess- und Versuchslabor verfügt. Dort werden die technischen Einrichtungen der Wiener Telegrafen- und Telefonzentralen überprüft, neuartige Apparatetypen konstruiert, technische Neuerungen erprobt und Leitungsstörungen untersucht. Im dritten Stockwerk sind neben dem Schulungsraum für Hughestelegrafie unter anderem Garderobe-, Erfrischungs- und
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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