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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
Entstehung
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90 Marconi geht nach England, wo er gute Voraussetzungen für die Vermark­tung seiner Erfindung erhofft. Auf Initiative von William Henry Preece, dem Chefingenieur des British General Post Office , veranstaltet er im Mai 1897 öffentliche Versuche, wobei es ihm gelingt, zwischen Lavernock Point und der Insel Flat Holm im Bristolkanal über eine Entfernung von einigen Kilo­metern hinweg eine Funkverbindung herzustellen. Einer der Augenzeu­gen ist der deutsche Elektrotechniker Adolf Slaby, der später über dieses Ereignis berichtet: Es wird mir eine unvergeßliche Erinnerung bleiben, wie wir, des star­ken Windes wegen in einer großen Holzkiste zu Fünfen übereinander gekauert, Augen und Ohren mit gespanntester Aufmerksamkeit auf den Empfangsapparat gerichtet, plötzlich, nach Aufhissung des verabredeten Flaggenzeichens, das erste Ticken, die ersten deutlichen Morsezeichen vernahmen, lautlos und unsichtbar herübergetragen von jener felsigen, nur in undeutlichen Umrissen wahrnehmbaren Küste, herübergetragen durch jenes unbekannte, geheimnisvolle Mittel, den Äther, der die einzige Brücke bildet zu den Planeten des Weltalls. 3 Marconi gründet im Juli 1897 die Wireless Telegraph and Signal Company Ltd. , die ihren Kunden das visionäre Versprechen der Kabellosigkeit macht. Interesse an der Funktechnik besteht vor allem bei den Kriegs­marinen, verspricht sie doch mit Schiffen auf hoher See Verbindung zu halten. Im österreichisch-ungarischen Kriegshafen Pola finden erfolgrei­che Versuche mit einem Funkeninduktor und einem Kohärerempfänger des Systems Marconi statt. Von einem Ankauf sieht man letztlich aber ab, da Marconi die Montage seiner Apparate nur durch eigene Monteure erledigen und Veränderungen an den Anlagen nur mit seinem Einver­ständnis vornehmen lassen will. Er fürchtet nicht zu Unrecht, dass seine Apparate kopiert werden könnten. Vor allem aber scheitert das Geschäft am hohen Kaufpreis. 4 Erfolgreicher ist Marconi bei der britischen Admiralität. Mit ihr schließt er einen Vertrag über eine erste Lieferung von 26 Schiffsstationen und 6 Küstenstationen ab. Um zu verhindern, dass die Royal Navy seine Appa­rate kopiert, geht er davon ab, sie zu verkaufen und dazu über, sie samt Bedienungspersonal zu vermieten. 5 Mit der Marconi International Marine Communication Company Ltd. gründet er im April 1900 eine eigene Firma zur Ausstattung von Schiffen mit Funkstationen und deren Betrieb samt Beistellung ausgebildeten Personals. Sie richtet zudem an den Küsten der befahrenen Weltmeere ortsfeste Funkstationen ein, um mit vorbeifah­renden Schiffen Kontakt zu halten wenn auch nur mit solchen, die sein