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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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103 Kabelkrieg undRadiosiege Am 28. Juni 1914 besucht Erzherzog Franz Ferdinand anlässlich von Militärmanövern der österreichisch-ungarischen Armee Bosnien-Herze­gowina. Von Wien in die bosnisch-herzegowinische Hauptstadt Sarajevo ist eine wechselseitige telegrafische Verbindung eingerichtet, die gegen zehn Uhr vormittags für kurze Zeit stumm bleibt. Der Beamte in Wien fragt nach dem Grund. Aus Sarajevo kommt die Antwort, man habe aus dem Fenster gesehen, um die Autokolonne des Thronfolgers zu betrach­ten. Eine Stunde später kommt es zu einer neuerlichen Pause, bevor sich die Station in Sarajevo wieder meldet diesmal mit der schrecklichen Nachricht, der österreichische Thronfolger und seine Frau seien eben ermordet worden. 1 Gegen Mittag verbreitet sich die Todesnachricht in Wien. Die Neue Freie Presse bringt, gestützt auf Telegramme, einExtrablatt heraus; offenkun­dig überstürzt, denn der Setzer vergisst, in der Datumszeile den Erschei­nungstag auf Sonntag zu aktualisieren. 2 Gleichzeitig verbreitet sich die Sensationsmeldung in der internationalen Presse. Es ist eine symptomati­sche Episode für das telegrafische Zeitalter, in dem Ereignisse umgehend zu Weltereignissen werden können. Kaiser Franz Joseph, der schon seit geraumer Zeit gegen Serbien militä­risch vorgehen will, erhält einige Wochen später seitens des deutschen Kaisers telegrafisch die geheime Beistandszusage im Falle eines Krieges und erklärt daraufhin am 28. Juli Serbien den Krieg. Per Telegramm. Damit wird eine verhängnisvolle Bündnismechanik ausgelöst, die zwischen den europäischen Großmächten besteht, was binnen weniger Tage zu einem Weltkrieg führt. Als eine ihrer ersten Kriegshandlungen lässt die britische Admiralität zur Errichtung einer Nachrichtenblockade die Seekabel zwischen Deutsch­land und Amerika kappen. Dies und der Umstand, dass die Seekabel im Mittelmeer unter britischer Kontrolle stehen, führen dazu, dass sich die Machthaber in Berlin und Wien mit einem Schlag von großen Teilen der 41 Die Ermordung des Thronfolgerpaars, Extrablatt der Neuen Freien Presse, 28. Juni 1914.