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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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125 legrafennetz, sind überdies Empfänger in Betrieb, die automatisch die nötigen Lochstreifen herstellen, sowie Drucker zur Herstellung der not­wendigen Ausdrucke. Bei diesen Geräten handelt es sich um Modelle der britischen Firma Creed . 21 In enger Zusammenarbeit mit dem Haupttelegrafenamt in Wien nimmt die Radio Austria den radiotelegrafischen Verkehr zunächst mit London und Berlin auf, dann mit immer mehr europäischen Ländern. Später kommen Ziele in Übersee hinzu. Österreich ist nach den Jahren der Isolation wieder an die Welt angeschlossen. Indessen zeichnet sich auch der ersehnte wirtschaftliche Aufschwung ab. Nach der Einführung der Schillingwährung am 1. März 1925, bei der 1 Schilling gegen 10.000 Kronen alter Währung gewechselt wird, endet die Inflation. Wie die Preise allgemein, stabilisieren sich die Telegrammtarife, wenn auch auf erhöhtem Niveau. Die Wortgebühr für ein gewöhnliches Telegramm steigt Ende 1926 deutlich von 6 auf 10 Groschen, bei einer Mindestgebühr von 1 Schilling. Für einBrieftelegramm, das an eine Endstation des Telegrafennetzes geht, von wo aus es mittels Post als Brief weiterbefördert werden muss, gilt der halbe Tarif, da es, als nicht sehr dring­lich eingestuft, in den ruhigen Nachtstunden abtelegrafiert werden kann. Diese Tarife erlauben auch einfachen Menschen, wenn nötig, das eine oder andere Telegramm zu schicken, um eine wichtige Nachricht zu übermitteln. Ein Fabrikarbeiter verdient rund 60 Schilling pro Woche. 22 Für Pressetele­gramme und für Inlandstelegramme mit langem Text gelten Ermäßigungen unterschiedlichen Ausmaßes. Demgegenüber laufen so genannteBlitz­telegramme, wie sie wohl hauptsächlich für bedeutende Wirtschafts­nachrichten benützt werden, besonders schnell, weil sie unmittelbar nach den dringenden Staatstelegrammen abgesetzt und telefonisch zugestellt werden. Dies hat seinen Preis. Für ein Blitztelegramm wird die neunfache Gebühr eines gewöhnlichen Telegramms berechnet. Ähnliches gilt für die Auslandstarife. Die Wortgebühr nach Deutschland etwa beträgt bei einem gewöhnlichen Telegramm 21 Groschen, bei einem Presse- oder Brieftele­gramm 11 und bei einem Blitztelegramm 1 Schilling 62 Groschen. 23 Das Te­legrammaufkommen beträgt im Jahr 1927 knapp 1,9 Millionen Inlands- und rund 3,6 Millionen(aufgegebene und angekommene) Auslandstelegramme, zusammen rund 5,5 Millionen Stück, sowie rund eine Million Radiogramme der Radio Austria , 24 insgesamt also rund 6,5 Millionen. Dazu kommt eine Neuheit, in die große Hoffnungen gesetzt wird: die Bildtelegrafie. Sie verspricht, Modebilder, Bilder für Zeitungen oder poli­zeiliche Zwecke, aber auch unterschriebene Urkunden und Schecks sowie Telegramme seitenweise zu übertragen, anstatt Buchstabe für Buchstabe.