129 Im Netz des„Dritten Reiches“ In den 1920er-Jahren kommt die klassische Telegrafie in die Jahre. Trotz hoher Betriebssicherheit werden Morseschreiber und Klopfer meist nur noch dort verwendet, wo es wenig Verkehrsaufkommen gibt, denn, obgleich billig in der Anschaffung, kommt ihr Betrieb teuer, weil die Übermittlung lang dauert und jedes Telegramm händisch aufgeschrieben werden muss. Effizienter arbeiten Drucktelegrafen wie die Apparate von Hughes und Baudot oder der Schnelltelegraf von Siemens, die selbsttätig eine Niederschrift erzeugen. Für korrekte Übermittlung bedürfen sie jedoch der ständigen Synchronisierung von Sende- und Empfangsgerät, was technisch aufwendig ist und für die Bedienung eine umfangreiche Ausbildung des Personals voraussetzt. Insofern erweisen auch sie sich mehr und mehr als überholt. Ein Modernisierungsschub geht von der so genannten„Wechselstromtelegrafie“ aus. Sie erlaubt durch Nutzung unterschiedlicher Frequenzen mehrere Telegrafenverbindungen auf einer einzigen Drahtleitung gleichzeitig herzustellen. 1 Auf dieser Basis kommt außerdem ein neuer telegrafischer Apparat aus den Vereinigten Staaten von Amerika zum Einsatz. Es handelt sich um den so genannten„Teletype“, in Deutschland„Fernschreiber“ genannt, der auf dem„Start-Stop-System“ basiert: Sender und Empfänger sind elektrisch zusammengeschaltet, befinden sich aber in Ruhestellung, bis mit einem Tastendruck beide kurz in Bewegung versetzt werden, um den auf einer Tastatur getippten Buchstaben zu übermitteln. Danach kehren sie wieder in Ruhelage zurück. Dies hat gegenüber herkömmlichen Drucktelegrafen den Vorteil, dass es keiner dauerhaften Synchronisierung der beiden Apparate bedarf und sich allfällige Diskrepanzen in ihrem Lauf nicht zu einem Übermittlungsfehler aufsummieren können. Außerdem wird die Bedienung deutlich einfacher und der Betrieb kostengünstiger – Vorzüge, die die geminderte Arbeitsgeschwindigkeit aufwiegen. Die Einführung des Fernschreibers in Deutschland erfolgt in zwei Bereichen: Einerseits wird der gesamte herkömmliche Telegrafenbetrieb 52 Fernschreiber verlagern die telegrafische Korrespondenz direkt in die Büros.
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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