130 der Deutschen Reichspost auf die leichter zu bedienenden Fernschreiber umgestellt und andererseits geht im Oktober 1933 ein öffentliches Fernschreibnetz in Betrieb. Mit Jahresende zählt es 50 Teilnehmer, die in ihren privaten Räumlichkeiten über eigene Fernschreibapparate verfügen. 2 Anfangs hängen sie an einem Vermittlungsamt, das zu gewünschten Adressaten Verbindung herstellt. Mit fortschreitender Automatisierung der Vermittlung verbreitet sich jedoch der Selbstwählverkehr. Zum direkten Anwählen eines Teilnehmers ist dann auf einem beigestellten„Fernschaltgerät“ zunächst die Anruftaste„AT“ zu drücken und anschließend auf einer Wählscheibe die Nummer des gewünschten Teilnehmers zu wählen. Leuchtet eine rote Lampe auf und der Fernschreiber springt an, ist die angewählte Stelle frei. Danach ist am Fernschreibapparat eine Taste mit der Funktion„Wer da“ zu drücken. Der adressierte Apparat meldet sich automatisch mit seinem Kürzel, das dem Anrufer bestätigt, an der richtigen Stelle gelandet zu sein. Ist dies der Fall, wird durch Drücken der Taste „Hier ist“ die eigene Kennung übermittelt. Nun kann die Übermittlung beginnen. Der Fernschreiber vollzieht damit jenen Schritt in Richtung Unabhängigkeit vom amtlichen Vermittlungsbetrieb, den auch der Fernsprecher, also das Telefon, im Rahmen der Automatisierung vollzieht, und er eröffnet dadurch dieselben Vorteile. Eilige Nachrichten können in der Hauptgeschäftszeit unabhängig vom Andrang bei Ämtern ohne Zeitverzögerung direkt an den Adressaten übermittelt werden, wenn gewünscht im Dialog, bei Bedarf auch unabhängig von Bürozeiten. Damit sticht der Fernschreiber selbst den Fernsprecher aus, weil er immer empfangsbereit ist, selbst wenn sich niemand im Raum befindet. Getippt werden die zu übermittelnden Nachrichten auf einer Tastatur, die jener von Schreibmaschinen ähnelt. Die Bedienung erfolgt durch normales Schreibpersonal. Geschrieben wird in Großbuchstaben. Durch Drücken der Umschalttasten„Buchstaben“ bzw.„Ziff.-Zeich.“ wird der Schreibmodus auf Buchstaben oder eben Ziffern und Zeichen gestellt. 3 Geübte Schreiberinnen und Schreiber schaffen drei bis vier Anschläge pro Sekunde, da die Tasten nach jedem Anschlag zum korrekten Absenden des Zeichens immer wieder kurz gesperrt sind. Um die volle, technisch mögliche Übermittlungsgeschwindigkeit von sieben Anschlägen zu erreichen, muss das Fernschreiben vorweg mittels eines Handlochers in einen Lochstreifen gestanzt und dann maschinell durch einen Lochstreifensender abgesetzt werden. 4 Die Übermittlung erfolgt auf Basis des fünfstelligen Binärcodes von Baudot: Jeder Buchstabe, jede Ziffer und jedes Satzzeichen wird in Form einer Kombination aus fünf Einzelzeichen dargestellt und übermittelt, deren jedes„positiv“ oder„negativ“(für„Strom“ oder„kein Strom“) sein kann.
Dokument
Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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