153 Zwischen alliierter Besatzung und staatlicher Souveränität Im April 1945 erreicht die Rote Armee Wien. Die sowjetischen Befreier veranlassen umgehend die Einsetzung einer Provisorischen Regierung unter dem Sozialdemokraten Karl Renner. Damit erlebt die Republik Österreich ihre Wiedergeburt, während Hitler im Bunker der Reichskanzlei in Berlin noch einen fanatischen Endkampf befiehlt. Um einen Stillstand der Gesellschaft zu verhindern und Verwaltungs- und Wirtschaftsaktivitäten zu ermöglichen, versucht man bedeutsame Dienste wie Post und Telegrafie wieder in Gang zu bringen. Der Neubeginn gestaltet sich jedoch schwierig. Vor allem im Osten Österreichs sind viele Anlagen aufgrund von Kampfhandlungen, Bombardierungen und systematischen Sprengungen durch abziehende deutsche Truppen nur noch Ruinen, an Bodenkabeln werden unzählige Schadstellen gezählt. Vor diesem Hintergrund erhalten die Bediensteten halbwegs verschont gebliebener Ämter die Anordnung, ihre Lokalitäten zu säubern, Schäden notdürftig zu beheben und Amtsbehelfe zu kontrollieren, um so bald wie möglich wieder den Betrieb aufnehmen zu können. 1 Im Sommer 1945 werden erste telegrafische und telefonische Verbindungen wiederhergestellt. Da aber das Staatsgebiet gemäß Deklaration der Besatzungsmächte vom 9. Juli nunmehr in vier Besatzungszonen geteilt ist, 2 bedarf es zum Aufbau einer bundesweiten Apparatur der Zustimmung des Alliierten Rates , der höchsten Instanz im Land. Diese ergeht am 10. Oktober. 3 Von Zerstörungen betroffen sind auch die Einrichtungen der Funktelegrammagentur Radio Austria . Das Betriebsgebäude in der Renngasse, die Empfangsstation Laaer Berg und die Sendestation Deutsch-Altenburg sind bei Kämpfen beschädigt oder von abziehenden deutschen Soldaten gesprengt worden, um dem anrückenden Feind keine funktionierenden Anlagen zu hinterlassen. Auch hier beginnen Mitarbeiter mit Aufräumund Instandsetzungsarbeiten und im Februar 1946 läuft ein improvisierter Funkbetrieb an. Bezüglich Sendestation muss man sich mit einem Provi64 Wien verzeichnet am Ende des Krieges enorme Kabelschäden.
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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