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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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159 werden. Daran hat auch und vor allem die Post mit ihrem umfassenden Netzwerk mitzuarbeiten. Als der neue Staat im Schicksalsjahr 1955 mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags im Wiener Schloss Belvedere von den Besatzungsmächten die ersehnte Souveränität erhält, geht die frohe BotschaftÖsterreich ist frei! über die Fernschreiberleitungen. 17 Benno Schaginger, seit kurzem Generaldirektor der Post, meint be­schwörend:: Mögen doch diese Verbindungen stets dem Frieden dienen und etwas von dem Geist der Vermittlung hinaustragen, dem sich Österreich stets verpflichtet fühlt und der ihm echte Neutralität nicht schwer­fallen läßt. 18 Man positioniert sich angesichts der Fronten des Kalten Krieges in der neutralen Mitte. Was das bedeutet, zeigt sich in den folgenden Jahren unter anderem im Bemühen, den Staatschefs beider Großmächte mög­lichst freundlich zu begegnen. Anlässlich des Staatsbesuchs des sowjetischen Ministerpräsidenten Nikita Chruschtschow im Sommer 1960 hat die Post den gesamten Nach­richtenverkehr der sowjetischen Delegation und der fast 300 anwesenden Journalisten abzuwickeln. Abgesehen davon, dass sich für Chruscht­schows Rundreise durch Österreich eine Karawane von Postautobussen in Bewegung setzt, mit denen die Regierungsdelegationen sowie die Vertreter der Weltpresse chauffiert werden, sind zahlreiche Nachrich­tenkanäle einzurichten. In Städten entlang der Strecke entstehen in örtlichen Postdienststellen oder Ausweichquartieren Zentralen, über die die Journalisten ihre Berichte unverzüglich per Telefon oder Fernschrei­ben an die Redaktionen in ihren Heimatländern übermitteln können. Dafür werden unter anderem 100 Telefonzellen im Tross mitgeführt und bei jedem Halt auf- und abgebaut. Um Verzögerungen in Folge von Sprachbarrieren zu vermeiden, dürfen die Journalisten ihre schriftlichen Berichte an den Fernschreibern vor Ort eigenhändig absetzen. Da und dort existieren auch öffentliche Bildtelegrafenstellen, an anderen Orten zumindest Anschlüsse für private Bildtelegrafengeräte. Tag und Nacht werden neueste Fotos in die Welt telegrafiert, in besonderen Fällen per Hubschrauber nach Wien gebracht und von dort abgesetzt. 19 Chruschtschow nutzt die mediale Bühne, die man ihm bietet. Er übt scharfe Kritik an der antisowjetischen Politik der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten Staaten von Amerika. Er verweist auf amerikanische Raketensysteme in Norditalien, unweit der Grenze zu Österreich, die auf die Sowjetunion gerichtet seien. Während er,