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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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163 Fernschreiben in die ganze Welt In den Nachkriegsjahren stagniert das Aufkommen des klassischen Telegramms, während der seit April 1946 arbeitende öffentliche Fern­schreibdienst stetig wächst. Am Wiener Schillerplatz sitzt das Hauptamt für dieTeilnehmer-Wähl-Telegraphie, das mittlerweile Verbindung mit Vermittlungsämtern in Bregenz, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Salzburg unterhält. 1 Die Zahl der Teilnehmer steigt bis 1955 auf mehr als 2.300, die in diesem Jahr zusammen ein Aufkommen von 28 Millionen durchschnittlich dreiminütigen Fernschreiben zum Ortsverkehrstarif von jeweils 50 Groschen abwickeln sowie mehr als 730.000 Auslandsfernschrei­ben unterschiedlicher Länge. 2 Trotzdem bleibt das Telex weit hinter dem Telefon zurück. Nichtfür die breite Masse bestimmt, wird die praktische Korrespondenzform weniger von Privatpersonen als von Unternehmen genutzt, denen sie wesentliche Vorteile bietet. Die Vollautomatisierung des Netzes für den Selbstwählbetrieb erlaubt Geschäftskorrespondenz eigenständig und unabhängig vom Amtsapparat und auch in den Nacht­stunden abzuwickeln, wenn Handvermittlungszentralen nicht besetzt sind. 3 Der Umstand, dass niemand im Büro anwesend sein muss, wenn ein Fern­schreiben eingeht, kommt dem Verkehr mit Partnern in Übersee entgegen, weil Zeitverschiebungen kein Hindernis mehr bilden; eine Qualität, die vor dem Hintergrund wachsender internationaler Wirtschaftsbeziehungen immer wichtiger wird. Fernschreibapparate sind in Österreich von der Post zu mieten, die auch für ungestörten Betrieb sorgt. Zur Wahl stehen Modelle verschiedener Firmen. Siemens bietet den Fernschreiber FS 100 an, zunächst als Tischge­rät, dann auch freistehend in einem repräsentativen Holzgehäuse in Eiche hell oder dunkel. Ist ein Tisch nötig, um das Gerät draufzustellen, ist dieser vom Teilnehmer selbst beizubringen, wie auch allfällige schalldämmende Gehäuse zur Verringerung der Lärmentwicklung, die jedoch behördlich zu­gelassen sein müssen. Der FS 100 wird aber ohnehin als geräuscharm an­69 Mit der Erdfunkstelle Aflenz bekommt Österreich einen direkten Zugang zum Satellitennetz.