164 gepriesen. Er arbeitet im Empfangsmodus selbsttätig, liefert briefähnliche Schriftstücke und kann bis zu fünf Durchschläge erzeugen. Der dreistufig verstellbare Zeilenabstand, eine Innenbeleuchtung sowie das feststehende Blatt erlauben bequemes Mitlesen während des Betriebs. 4 Anfangs wird er mit einem Typenrad ausgeliefert, das ausschließlich Großbuchstaben aufweist, doch ist wahlweise auch schon eines mit Kleinbuchstaben erhältlich, das der Kleinschreibung entspricht, die sich international etabliert. Die Bedienung eines Fernschreibers erfordert keinerlei spezielle Ausbildung. Zum Herstellen einer Verbindung beim selben Fernschreibamt ist am Fernschaltgerät die Anruftaste zu drücken und danach auf der Wählscheibe die Nummer des gewünschten Teilnehmers zu wählen, bei Teilnehmern im restlichen Österreich nach der Anruftaste eine Kennzahl und dann die gewünschte Nummer. Auslandsverbindungen werden zunächst durch bestimmte Fernvermittlungsstellen hergestellt, zunehmend aber im Selbstwählbetrieb, sobald das betreffende Land den technischen Standard bieten kann. Zur Zusatzausstattung zählen Handlocher und Lochstreifensender. Mit dem Locher können Fernschreiben vorweg in Lochstreifen gestanzt werden, um sie dann über den Lochstreifensender mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit von 400 Anschlägen pro Minute abzusetzen. Da die Gebühr nach Zeitdauer berechnet wird, hilft dies Geld zu sparen, 5 was nicht unerheblich ist, denn die Kosten sind insgesamt beachtlich. Neben der monatlichen Grundgebühr von 110 Schilling können die Leitungsgebühren bei großer Entfernung zum Vermittlungsamt monatlich 2.000 Schilling und mehr betragen. Dazu kommen Kosten von monatlich 210 Schilling für Miete und Instandhaltung des Fernschreibapparats durch die Post. Für Zusatzgeräte wie Fernschaltgerät, Handlocher oder Lochstreifensender können noch einmal einige hundert Schilling hinzukommen. 6 Den hohen Anschaffungs- und Betriebskosten stehen geringe Kosten des einzelnen Fernschreibens gegenüber, verglichen mit dem klassischen Telegramm. Nichtsdestoweniger bilden vor allem die hohen Leitungsgebühren ein Hemmnis für die Verbreitung des Fernschreibbetriebs in ländlichen Gebieten. Die Einrichtung zusätzlicher Telexämter soll die Kosten dämpfen. In manchen Fällen bewirken neue Ämter allerdings das Gegenteil. Und zwar dann, wenn Teilnehmer, die an ein neues Amt angeschlossen werden, mit ihrem früheren Amt nicht mehr zum Ortstarif korrespondieren können, sondern dafür fortan den höheren Tarif der Zone I bezahlen müssen. Ein Fernschreiben von Wels nach Linz verteuert sich auf diese Weise von 50 Groschen Ortsgebühr auf 3 Schilling 90. 7 1959 tritt eine neue Tarifordnung in Kraft, die eine allgemeine Verbilligung bringt. Bei einer unveränderten Ortsgebühr von 50 Groschen kostet die
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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