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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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165 nunmehrige Zone I, die das jeweilige Bundesland umfasst(wobei Wien und Niederösterreich gemeinsam eine Zone bilden), 3 Schilling. Zone II umfasst benachbarte Bundesländer und ihr Tarif beträgt 6 Schilling. Zone III schließ­lich umfasst alle anderen Bundesländer. Ihr Tarif beträgt 9 Schilling. Zwi­schen 19 Uhr abends und 7 Uhr morgens gilt ein verbilligter Nachttarif. 8 Mit der Tarifermäßigung einher geht ein Steigen des Verkehrsaufkommens. Der Post- und Telegraphenverwaltung kommt neben der staatlichen Administration zunehmend die Aufgabe eines Transmissionsriemens der heimischen Wirtschaft zu. In Zeiten des viel beschworenenWirtschafts­wunders stellt sie öffentliche Dienste wie Telegrafie, Telefonie und Telex im allgemeinen ökonomischen Interesse bereit: Die moderne Wirtschaft ist durch Arbeitsteilung gekennzeichnet. Vor­aussetzung für das Funktionieren einer arbeitsteiligen Wirtschaft ist aber ein weitverzweigtes Nachrichtensystem, das Menschen und Betriebe miteinander verbindet. Da mit der Ausweitung der Produktion auch das Nachrichtenbedürfnis steigt, müssen die Betriebsanlagen des Nachrich­tenwesens laufend den Anforderungen der Wirtschaft angepasst werden. Dies setzt vor allem auf dem kapitalintensiven Fernmeldesektor eine planmäßige Anlagewirtschaft voraus. Nur wenn die Investitionstätigkeit im richtigen Verhältnis zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung steht, ist eine gedeihliche Weiterentwicklung des Nachrichtenwesens und damit auch der Wirtschaft selbst sichergestellt. 9 Dieses Postulat richtet sich gegen immer lauter werdende Privatisierungs­forderungen, die zu vernehmen sind, nachdem die Post- und Telegra­phenverwaltung in Folge wachsender Einnahmen nach vielen Jahren des Defizits nun nahezu ausgeglichen bilanziert. Von mancher Seite will man ihre lukrativen Dienste privaten Anbietern überlassen, die effizienter wirt­schaften würden. Generaldirektor Schaginger weist aber Vorwürfe zurück, wonach ein staatlich geführter Betrieb grundsätzlich ineffizient arbeite. 10 Staatliche Betriebsführung könne durchaus im öffentlichen Interesse sein, etwa wenn es um die Gewährleistung einer sozialen Tarifpolitik gehe, die sicherstelle, dass auch Einkommensschwache sich dieser Dienste bedie­nen könnten, oder um eine gleichmäßige Versorgung der Bevölkerung, ohne Rücksicht darauf, wie abgelegen ihre Wohnorte auch sein mögen; et­was, was von einem privaten Unternehmen, das immer nur Profite im Auge habe, naturgemäß nicht verlangt werden könne. Da in Wien die Aufnahmekapazitäten des Telexamts am Schillerplatz in der Größenordnung von 3.000 Teilnehmeranschlüssen erschöpft sind, wird