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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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166 1963 in der Telegrafenzentralstation am Börseplatz ein zweites Amt für weitere 1.100 Anschlüsse, mit Ausbaukapazität auf 3.000, eröffnet. Wegen der ungebrochenen Nachfrage wird bald ein drittes Amt geplant. Bundes­weit sind 1965 bei 40 Telexämtern knapp 6.400 Teilnehmer registriert. 11 Neben der Bundesrepublik Deutschland verfügt Österreich über eines der dichtesten Fernschreibnetze in Europa. Im voll automatisierten Inlandsver­kehr werden Fernschreiben in der Größenordnung von rund 58 Millionen Gebühreneinheiten à 50 Groschen abgewickelt, also gut doppelt so viele als zehn Jahre zuvor; im teilautomatisierten Auslandsverkehr sind es mehr als viereinhalb Millionen Einzelfernschreiben und damit das Sechsfache von damals. Im Verkehr mit der Bundesrepublik Deutschland, den Nieder­landen und der Schweiz wird überdies dasTelexogramm eingeführt; ein Dienst, im Zuge dessen Telegramme an Adressaten, die über Fernschrei­ber verfügen, direkt über diese zugestellt werden. 12 Ein Verbreitungshemmnis verschwindet, als es für Interessenten möglich wird, ihre Fernschreibapparate auch direkt von den Herstellern Lorenz, Olivetti oder Siemens zu kaufen bzw. zu mieten, wenn auch nur solche, die von der Post zugelassen sind. In der Vergangenheit war die Post aufgrund von chronischen Budgetnöten oft nicht in der Lage, genü­gend Geräte anzuschaffen, um die steigende Nachfrage an Mietgeräten decken zu können. Jetzt fällt das Monopol. Eine Gebührenerhöhung An­fang 1967 hilft der Post jedoch verlorene Einnahmen zu kompensieren. Die monatliche Miet- und Wartungsgebühr für einen posteigenen Fern­schreibapparat steigt von 320 auf 540 Schilling. Und selbst für ein privat erworbenes Gerät sind für regelmäßige Wartung noch 180 Schilling an die Post zu zahlen. Ähnlich steigen die Miet- und Wartungstarife für die restliche Gerätschaft. Die Grundgebühr des Telexverkehrs wird von 110 auf 138 Schilling erhöht; ein dreiminütiges Fernschreiben im Ortsverkehr kostet fortan nicht mehr 50, sondern 65 Groschen. 13 Dennoch nimmt der Telexverkehr zu, entstehen zwischen den Telexämtern immer mehr Lei­tungen, wenngleich noch immer nicht genug, sodass viele Anträge auf einen Fernschreibanschluss nicht berücksichtigt werden können. Ende des Jahres 1970 sind rund 9.000 Teilnehmer angemeldet, im April 1972 sind es 10.000, für das Jahr 1980 erwartet man 20.000. 14 Außer Island und der Türkei sind mittlerweile alle Länder Europas in einen vollautomatischen Vermittlungsbetrieb eingebunden und mittels Wähl­scheibe direkt erreichbar. Dazu kommen über Funkverbindungen der Ra­dio Austria zahlreiche Länder in Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Australien. Insgesamt sind 94 Prozent der weltweiten Telexteilnehmer von Österreich aus direkt anwählbar. Durch die Vollautomatisierung entfallen Wartezeiten, wie sie im Vermittlungsdienst naturgemäß auftreten. Eine