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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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169 mache, dass es wie jede andere Büromaschine mitten im Büro aufgestellt werden könne. 18 Ganz ohne Mechanik geht es aber nicht, zumal nicht beim Typendruck­werk, das in der Lage sein muss, Durchschläge anzufertigen. Deshalb arbeiten der T 1000 von Siemens sowie der LO 2000 von ITT, der als Flüsterschreiber beworben wird, mit einem Typenrad, wie es zu dieser Zeit auch bei elektrischen Schreibmaschinen Verwendung findet. Beide Modelle präsentieren sich dank ergonomisch optimierter Tastatur bedie­nungsfreundlich. 19 Der federleichte Anschlag der optisch-elektronischen Tasten des Modells LO 2000 ESR lasse die Hände nicht mehr ermüden und dank der Farbbandkassette würden sie beim Farbbandwechseln nicht mehr schmutzig. 20 Ein elektronischer Speicher macht das Stanzen von Fernschreiben auf Lochstreifen obsolet. Fernschreiben lassen sich fortan direkt aus dem Speicher abrufen, um erneut gesendet zu wer­den. 21 Bedient werden die neuen Geräte zunehmend von Frauen, den Fernschreiberinnen, von denen die Werbung nun schon selbstver­ständlich spricht. Vor dem Hintergrund einer stetig wachsenden Wirtschaft sind Frauen am Arbeitsmarkt zunehmend gesucht. Mit der Sekretärin entfaltet sich vor allem in der Privatwirtschaft ein Frauenberuf, der die Bedienung diverser Büromaschinen vom Telefon über die Schreibmaschine bis zum Fern­schreiber beinhaltet. Es ist ein Beruf im Zeichen der Tastatur, der infolge der relativ einfachen Handhabung der technisch ausgereiften Geräte als bloße Zuarbeit gilt, was sich in vergleichsweise geringer Bezahlung ausdrückt. Auf Basis der modernen Computertechnik verbreitet sich in dieser Zeit die elektronische Datenverarbeitung, die auch den öffentlichen Fernschreib­betrieb verändert. Ab 1976 nimmt die Post ein vollelektronisches, zentral gesteuertesElektronisches Datenvermittlungssystem der Firma Siemens in Betrieb, das Telexkunden ermöglicht, andere Teilnehmer direkt über die Tastatur anzuwählen. Ist der gewählte Anschluss gestört oder hat sich die Rufnummer geändert, wird man davon vom System in Kenntnis gesetzt. Kommt die Verbindung zustande, wird automatisch das Kennzeichen des angewählten Anschlusses abgerufen, sodass man Gewissheit erhält, mit dem richtigen verbunden zu sein. Eine Direktruffunktion erlaubt es, einen häufig kontaktierten und deshalb gespeicherten Teilnehmer mit dem Drü­cken einer einzigen Taste anzuwählen, was viel Zeit spart; ein Sonderdienst Rundschreiben ermöglicht es, eine Nachricht an bis zu 30 Empfänger gleichzeitig zu übermitteln, wobei im Falle, dass einer der Anschlüsse besetzt sein sollte, das System bis zu zehn Mal eigenständig versucht, eine