177 Bildschirmtext für alle In England läuft Ende der 1970er-Jahre ein neuer Dienst, genannt„Viewdata“, der sich direkt an die breite Masse der Privatnutzer wendet. Dieser Dienst erlaubt über die Telefonleitung aus Datenbanken diverser Institutionen Daten abzurufen, die auf dem Fernsehgerät dargestellt werden. Er verspricht eine Vielzahl an interaktiven Anwendungsmöglichkeiten – vom Bestellen von Versandhausware via Bildschirm über die Abwicklung von Banktransaktionen bis zum elektronischen Telefonbuch. 1980 wird auch in Österreich der Fernsehbildschirm zur Informationsplattform. Nicht nur, dass mit dem„Teletext“ ein Bildschirminformationssystem des Fernsehens in Betrieb geht, das allerlei aktuelle Information zum Lesen am Fernsehschirm bietet, startet die Post Anfang März 1981 einen Pilotversuch für den interaktiven„Telefon-Bildschirmtext“ 1 nach dem Vorbild von Viewdata. Dieses Provisorium erlaubt einigen hundert Teilnehmern über das Telefonnetz und mit Hilfe einer Fernbedienung auf Texte und Grafiken, die in einem Zentralrechner der Post gespeichert sind, zuzugreifen. Neben einem geeigneten Fernsehgerät müssen die Teilnehmer über einen Einzeltelefonanschluss und über ein so genanntes „Modem“(für Modulator/Demodulator) verfügen. Letzteres dient zur Umwandlung der Daten in Signale, die über die Leitung geschickt werden können. Außerdem ist ein spezieller„Decoder“ notwendig, der die Daten verarbeitet und als Bild am Fernsehschirm darstellt. Dahingehend wird von Hermann Maurer, Professor an der Technischen Universität Graz, ein eigenes Gerät entwickelt – ein Mikrocomputer, der den sperrigen Namen„Mehrzweck-Universell-Programmierbarer-Intelligenter-Decoder“, kurz MUPID , trägt. 2 Das Gerät verspricht Nutzerinnen und Nutzern einen barrierefreien Einstieg in die neue digitale Welt. Gegen Gebühr können sie mithilfe eines Suchbaums und eines alphabetischen Indexes verschiedene, im Zentralrechner des Systems gespeicherte Informationsseiten finden. Dieser Zentralrechner(ein britisches Rechnersystem des Typs GEC 4065 ) verfügt anfangs über eine Kapazität von 50.000 Bildschirmtextseiten 75 Bildschirmtext steht für den fehlgeschlagenen Versuch eines staatlichen österreichischen Computernetzes.
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
Seite
178
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