182 Im September 1988 findet eine„Btx-Info-Show“ im Technischen Museum statt. Von September bis Dezember 1988 gibt es wieder eine Werbeaktion. Einsteiger ersparen sich neben der Anschlussgebühr von 400 Schilling drei Monate lang jeweils 200 Schilling an Gerätemiete. 19 Doch die Verbreitung bleibt schleppend. Gründe dafür sind letzten Endes wohl die Kosten. Für die Einrichtung eines Anschlusses fallen einmalig Kosten in beträchtlicher Höhe an, für die monatliche Gerätemiete laufende Kosten. Während der Nutzung der unterschiedlichen Angebote des Bildschirmtexts sind neben den anfallenden Telefongebühren zusätzliche Gebühren zu entrichten, etwa, wenn sich Teilnehmer und Teilnehmerinnen für den„BTX-Telex-Übergang“ anmelden, der die Möglichkeit eröffnet, über den Bildschirmtext Sendeaufträge für Fernschreiben zu erteilen. Ähnliches gilt für den Dienst„BTX-FAX“. 20 1990 nimmt die Post eine Kursänderung vor. Sie wendet sich von der eigenen Hardware, dem MUPID , ab und lässt an der Universität Graz die Software Decodix entwickeln, die auf kompatiblen Personal Computern läuft. Dies ist ein notwendiges Zugeständnis an die Zeit, in der der PC eine rasante Verbreitung erfährt und sich die Erkenntnis durchsetzt, dass er viel mehr zu bieten hat als das funktional auf den Bildschirmtext eingeschränkte Monopolgerät MUPID . Es ist auch eine Entscheidung der wirtschaftlichen Vernunft, sich nicht gegen die übermächtige Konkurrenz der boomenden internationalen Computerindustrie zu stellen. Gleichzeitig distanziert man sich seitens der Post vom bisherigen Mietgerätesystem. Man wirbt, durch die Verwendung gekaufter Geräte anstelle von gemieteten Modems und MUPIDs würden 200 Schilling an monatlichen Kosten wegfallen, die bisher oft fälschlich als„Btx-Grundgebühr“ bezeichnet worden seien. Fortan würden Neuinteressenten lediglich ein einmaliges Entgelt für die Anmeldung im System bezahlen müssen. Ab 1. November 1989 besteht im Übrigen die Möglichkeit, bereits gemietete Modems und MUPIDs in Privatbesitz zu übernehmen, wenn davor vier Jahre lang Miete gezahlt worden ist. Außerdem wird das österreichische Bildschirmtextsystem an das deutsche, das der Schweiz und jenes Luxemburgs angeschlossen, wodurch sich das Angebot deutlich erweitert, und zwar zum Ortstarif. 21 Der erhoffte Durchbruch bleibt aber auch jetzt aus. Die Zahl der Teilnehmer erreicht 1990 die Marke von 10.000 und im Jahr darauf von 12.000. Die Zuwachsrate ist hoch, 22 doch bleiben die absoluten Zahlen gering und von allen früheren Erwartungen weit entfernt. Abgesehen davon ist in der Zwischenzeit eine neue Ära angebrochen, in der sich vieles, vor allem aber die Organisationsweise der digitalen Welt, grundlegend ändert.
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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