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L. Erhard
vermindern sie ihre Steilheit und erreichen schließlich ihren Höchstwert in fast waagrechter Richtung.
Die Abb. 1 und 2 geben Aufschluß über die Vermehrung niederer Lebewesen innerhalb eines geschlossenen Raumes. Die Vermehrung der Essigfliegen (Drosophila melanogaster) wurde dabei einmal in einer Viertelliterflasche und dann in einer Halbliterflasche mit dem Ergebnis beobachtet, daß die Vermehrung der Fliegen gemäß den zweierlei Flaschengrößen verschiedene Höhepunkte erreichte. Diese lebenskundlichen Versuche führen zu der Schlußfolgerung, daß beim Zustandekommen solcher zweiseitig gekrümmten biologischen Linien in einem ge-
GASERZEUGUNG IKI MÜNCHEN
JAHR. 1850 60
90 1900 IO
Abb. 3. Anstieg der Gaserzeugung in München von 1850 bis 1934.
AUTOERZEUGUNG IN USA
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JAHR: 1900
Abb. 4. Entwicklung der Autoerzeugung in USA von 1900 bis 1934.
schlossenen Raum zwei gegeneinander wirkende Kräfte im Spiel sein müssen, nämlich einerseits der Vermehrungsdrang der Lebewesen und anderseits der infolge der Raumbegrenzung auftretende Sättigungsdruck. Jedes Lebewesen benötigt nämlich zu seinem Bestehen einen bestimmten geringsten Lebensraum. Wächst nun die Zahl der Lebewesen in einem geschlossenen Raum übermäßig an, so entsteht dadurch ein entsprechender Sättigungsdruck, der die weitere Vermehrung hindert.
Die Abb. 3 und 4 veranschaulichen mittels zweiseitig gekrümmter technobiotischen Kurven den Übergang von der potentiellen zur aktiven Technik in zwei Beispielen, und zwar das Ansteigen der Gaserzeugung in einer Großstadt und die Entwicklung des Automobilbaues in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Bei diesen Übergängen sind gleichfalls einander entgegengesetzte innere Triebkräfte und äußere Widerstände am Werk. Der innere Vermehrungsdrang einer technischen Schöpfung beruht auf der Schaffenskraft ihres Urhebers und auf dem Nutzen, den sie dem Wirtschaftsleben bringt. Diesem Vermehrungsdrang wirkt aber jener Sättigungsdruck entgegen, der durch die begrenzte Aufnahmefähigkeit des Marktes bedingt ist. — Die beiden technobiotischen Übergangskurven 3 und 4 flachen sich gleichfalls von ihren jeweiligen Wendepunkten an nach oben