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L. Erhard
in der Marktlage und Änderungen in der Erzeugungsweise beeinflussen ihren gesetzmäßigen Anstieg. Zutreffende Voraussagungen über künftige technisch-wirtschaftliche Entwicklungen sind hierbei nur in jenen Fällen möglich, bei denen Wachstumsdrang und Sättigungsdruck bekannt sind und regelrecht verlaufen. Aber selbst mit diesen Einschränkungen bieten die technobiotischen Wachstumskurven einen beachtenswerten Einblick in die wahrscheinliche Gestaltung technisch-wirtschaftlicher Entwicklungsgänge. Hätten die Wirtschaftsführer im letzten Jahrzehnt den Lebenssinn der Technik, ihren biologischen Wesenszug und die technobiotischen Wendepunkte rechtzeitig erkannt, so wäre der amerikanischen Wirtschaft die verhängnisvolle Täuschung über eine ewige „Prosperity“ und auch andern Wirtschaftsgebieten manche Bedrängnis erspart geblieben. Statt dessen wurde nach dem Weltkrieg die Massenerzeugung von Sachgütern mit allen Mitteln der Technik und der Rationalisierung auf eine die Kaufkraft des Absatzmarktes weit überbietende Höhe so lange künstlich emporgeschraubt, bis zuletzt die wirtschaftliche Weltkrise hereinbrach. — Angesichts dieser Tatsache sollten sich die Technohistoriker die Ausarbeitung solcher aufschlußreichen technobiotischen Wachstumskurven auf Grund statistischer Erhebungen besonders angelegen sein lassen. — Die Beziehungen zwischen den Vermehrungs-, Sättigungs- und Wachstumslinien sind in einem Anhang dargestellt (S. 12). Die Übereinstimmung der technobiotischen mit den biotechnischen Linienzügen weist auch hierbei auf innere Zusammenhänge zwischen Biologie und Technik hin. Die Menschen und ihre Geisteskinder, die Erfindungen, sie alle tanzen den „Totentanz“ des Lebens. — Begnadete Künstler sind ahnungsvolle Seher. Und so hat denn auch Hans Thoma in seinem Selbstbildnis aus dem Jahre 1863 den Lebensdrang durch eine beschwingte Engelsgestalt und die wider diesen Lebensdrang dauernd und unerbittlich wirkende Gegenkraft als heimlich raunenden Tod in ergreifender Weise dargestellt.
Faßt man schließlich mancherlei Gestalten ins Auge, die im Gebiet der technobiotischen Wachstumslinien auftauchen, so steht unten am technisch-wissenschaftlichen Ausgangspunkt einer grundlegenden Neuerung zumeist ein sinnender, mit den Naturgesetzen vertrauter Forscher oder Erfinder, als Sämann eines Feldes, auf dem späterhin oft andere ernten. — Auf dem technisch-wirtschaftlichen Höhepunkt thront dann gewöhnlich ein tatkräftiger Wirtschaftsführer oder ein „königlicher Kaufmann“; denn technische Schöpferkraft und kaufmännisches Geschick sind nur selten in ein und derselben Person vereinigt. — Das Mittelstück des Weges von der potentiellen zur aktiven Technik bildet das ureigene Arbeitsfeld des I n - genieurs. Diesem Sachwalter der Technik obliegt es, Werke der Statik und Dynamik unter größter Nutzung bei geringstem Aufwand auszuführen und überdies zielt die Sendung des technisch-schöpferischen Ingenieurs auf den Dienst an der Volksgemeinschaft und nicht bloß auf den Kampf um Geld und Gut hin.
Technobiotik.
Der Lebenssinn der Technik liegt darin beschlossen, daß ihre Gebilde als künstliche Organe und Behelfe dem Menschen gleicherweise dienen sollen, wie die Gliedmaßen dem Gesamtorganismus. — Vom Menschenhirn ersonnen und von Menschenhand gestaltet, sind die Technismen aufs innigste mit dem menschlichen Wirtschafts-