Aufsatz 
Viktor Kaplan / von Alfred Lechner
Entstehung
Seite
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Viktor Kaplan.

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Eltern Professor Kaplans gefunden. Ordnungsliebe, Sauberkeit in Kleidung und Haltung, Genauigkeit im dienstlichen und auch außerdienstlichen Verkehr waren ihm besonders eigen. Strengste Pflichterfüllung verlangte Karl Kaplan nicht nur von seinen Untergebenen, sondern auch von seinen Kindern, er selbst ist stets mit gutem Beispiel vorangegangen. Den Ernst, mit welchem er die Erziehung seiner Kinder leitete, die hohe Auffassung, welche er von dem Berufe seines Sohnes Viktor hatte, werden wir noch später kennenlernen. In zweiter Ehe war Karl Kaplan mit Frau Professor Rosina Gaudernak, einer bekannten Wiener Pädagogin, vermählt.

Aus den hier nur skizzenhaft wiedergegebenen Familien Verhältnissen ist zu entnehmen, daß Viktor Kaplan einem gut bürgerlichen Hause entstammte und die Segnung eines geordneten, friedlichen Familienlebens genoß.

Die Volksschule besuchte Viktor in Neuberg in Steiermark. Dort erhielt er sehen als achtjähriger Knabe durch die Eisenwerke der Alpinen Montangesellschaft technische Eindrücke. Von seinen Jugendfreunden wird berichtet, 1 daß er hier als Knabe Wasserräder gebaut hat, und sein Freund Franz Mayer erzählt, daß Viktor einmal ausgerufen haben soll: ,,Wenn ich groß bin, baue ich noch viel schneller­laufende Räder. Gewiß werden viele Knaben solche Bastelarbeiten verrichten, ohne daß denselben irgendeine weitere Bedeutung beizumessen ist. Aus den er­halten gebliebenen eigenen Aufzeichnungen Kaplans 2 aber ist zu ersehen, daß es ihm gelungen ist, eine ganze Reihe physikalischer Apparate selbst zu verfertigen, und wenn wir später sehen werden, daß Kaplan im Brünner Laboratorium sich die Schablonen für seine Turbinenschaufeln selbst anfertigte, so kommt diesen Jugend­basteleien doch mehr Bedeutung als einer bloßen Spielerei zu. Als Kaplan in den Jahren 1888 bis 1895 seinen Mittelschulstudien an der Kommunalrealschule in Wien, IV., Waltergasse 7, oblag, verstand es der Professor der Physik, Franz Daurer, das Interesse des ernsten Knaben für diesen Gegenstand zu erwecken. Dieses Interesse zeigte sich auch zu Hause durch selbständiges Experimentieren und Anfertigen physikalischer Apparate. Aus den Aufzeichnungen Kaplans entnehmen wir, daß er eine Elektrisiermaschine aus einer einfachen Flasche, einen kleinen Elektromotor, dessen Achse eine Stricknadel war, eine elektrische Eisenbahn, ja sogar eine Dampfmaschine, wobei der Dampfkessel aus einer Kakaobüchse, der Zylinder aus einer Patrone bestanden hat, selbst angefertigt hat.

Anleitung und Anregung erhielt er von seinen Onkeln Paprian und Derflinger, die Werkzeuge borgte er sich von dem befreundeten Hauptmann Hofer aus. Bei diesem Experimentieren und Basteln erlangte er eine derartige Geschicklichkeit, daß es uns nicht wundern darf, daß er eines schönen Tages Professor Daurer mit einem selbsterzeugten photographischen Apparat überraschte.

Hören wir, was Kaplan selbst hierüber berichtet:

Der Balg war ein alter Gummiregenmantel, das Objektiv war eine Linse um 60 Kreuzer, zwei Wochen zusammengespart! Die Linse wurde in eine Schuhwichs-

1 Vgl.Aus dem Leben eines steirischen Erfinders von Franz Mayer, Alpen- ländisclie Wochenschau vom 14. September 1935, sowie den Brief vom 15. Mai 1935 von Karl Wolf, welcher eine Schilderung der Jugendjahre Kaplans enthält und im Familienarchiv in Unterach erliegt.

2 Diese Aufzeichnungen erliegen im Familienarchiv in Unterach.

Geschichte der Technik, 3. II. 2