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Alfred Lechner
Schachtel gegeben, der Deckel dieser Schachtel war gleichzeitig der Objektivdecke]. Die Schraube, welche die Distanz einstellt, war ein alter Drillbohrer. Die Aufnahmen konnten immerhin als brauchbar bezeichnet werden. Professor Daurer hat mir, als er den Apparat sah, ,vorzüglich 4 gegeben.“
Seinem schon damals gewählten Grundsatz, womöglich alles selbst zu verfertigen, ist er auch später treu geblieben. Das Studium der realen Fächer, Mathematik, Physik, Chemie und Darstellende Geometrie, fiel Viktor leicht, dagegen bereiteten ihm die Sprachen einige Schwierigkeiten.
Während er als kleiner Knabe ernst war, wird er von seinen Kameraden in den oberen Mittelschulklassen als ein zu lustigen Streichen aufgelegter Jüngling bezeichnet. Schon als Knabe war er ein glänzender Schlittschuhläufer, später auch ein guter Tennisspieler, ein eifriger Hochtourist und ein gewandter Kletterer. Von seinem Vater wurde Viktor sehr streng gehalten, die Mutter scheint die ausgleichende Milde und Güte gewesen zu sein.
Nach bestandener Maturitätsprüfung im Jahre 1895 widmete sich Kaplan an der Wiener Technischen Hochschule dem Studium des Maschinenbaues. Hier hörte er Mathematik bei Kolbe und Czuber, Mechanik bei Finger, Darstellende Geometrie bei Peschka, Technische Mechanik und Theoretische Maschinenlehre bei Böck, Maschinenbau bei v. Radinger und Hauffe, Mechanische Technologie bei Kick und Reh, Chemie bei Bamberger und Geodäsie bei Schell. Es sei erwähnt, daß Kaplan gerade in den theoretischen Gegenständen vorzügliche Erfolge aufzuweisen hatte. Es darf daher auch nicht überraschen, wenn er zuerst rein theoretisch zu arbeiten versuchte und auch später für vernünftige theoretische Erwägungen immer viel übrig hatte. Daß Kaplan, wie einmal behauptet wurde, der „Theorie“ fremd oder ablehnend gegenübergestanden sei, ist eine unrichtige, mißgünstige Behauptung. Wohl aber pflegte er als Professor Arbeiten, bei welchen der physikalische Gedanke gegenüber der mathematischen Behandlung ganz in den Hintergrund trat oder bei denen die Voraussetzungen durch Versuche nicht entsprechend begründet waren, zweifelnd gegenüberzustehen. Bei solchen Gelegenheiten zitierte er gerne: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“.
Nach Ablegung der zweiten Staatsprüfung (1900) absolvierte Kaplan sein Frei willigen jahr bei der k. u. k. Kriegsmarine, wo er später zum Ingenieureleven ernannt wurde, und trat am 25. Oktober 1901 bei der Leobersdorfer Maschinenfabrik als Ingenieur ein. Somit kommen wir zur Schilderung seiner Tätigkeit als schaffender Ingenieur.
II.
Als Ingenieur in Leobersdorf.
Der neue Explosionsmotor. Hoffnung und Enttäuschung.
Die Firma Ganz in Leobersdorf beschäftigte sich damals mit dem Bau von Dieselmotoren. Es ist für Kaplan bezeichnend, daß er, kaum im Betrieb, schon daran dachte, einen neuen Motor zu konstruieren, welcher den Dieselmotor an Güte übertreffen sollte. Kaplan selbst berichtet über seinen Motor folgendes: 1
1 Entnommen dem Aufsatz, der in der Wiener Zeitung „Die Zeit“ am 9. April 1903