Aufsatz 
Viktor Kaplan / von Alfred Lechner
Entstehung
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Viktor Kaplan.

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III.

Kaplans Tätigkeit in Brünn während der Jahre 1903 bis 1913.

Professor Musil. Neukonstruktion der Francisschaufeln. Wissenschaftliche Arbeiten. Storek. Laboratorium. Versuche. Doktorat. Verheiratung. Privatdozent. Erfindung der Turbine. Erste Patente. Ernennung zum Professor.

Der neue Chef, Professor Musil (1846 bis 1924), hatte seine Ausbildung an der Grazer Technischen Hochschule erhalten, war einige Zeit Assistent bei der Lehr­kanzel für Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Wien, wurde später, nachdem er längere Zeit als Ingenieur in der Praxis tätig gewesen war, Direktor der Fachschule für Maschinenbau in Steyr und erhielt 1890 die Berufung als ordentlicher Professor für Maschinenlehre, Kinematik und Maschinenkunde an die Deutsche Technische Hochschule in Brünn. Musil war der richtige Chef für Kaplan. Voll Verständnis für die zielbewußten Pläne seines Konstrukteurs, 1 ebnete er diesem die Wege der akademischen Laufbahn und förderte dessen Bestrebungen nach Er­richtung eines Turbinenlaboratoriums.

Kurze Zeit nach seinem Dienstantritt als Konstrukteur erhielt Kaplan auch den Auftrag, Vorlesungen über Maschinenkunde abzuhalten.

Der 1905 in der Zeitschrift für die gesamte Kohlensäureindustrie erschienenen AbhandlungÜber die Verwendungsmöglichkeit von hochgespannten, bzw. ver­flüssigten Gasen im Wärmemotorenbetriebe folgen nun in rascher Aufeinanderfolge Arbeiten über Konstruktionen von Francisturbinenschaufeln, die durchgehends in der Zeitschrift für das gesamte Turbinen wesen erschienen sind. Die Titel dieser Arbeiten seien hier angeführt.

Ein neues Verfahren zur Berechnung und Konstruktion der Francisturbinen­schaufel. 1905. Heft 8 u. 9. S. 113 u. 129.

Theoretische Untersuchungen und deren praktische Verwertung zur Bestim­mung rationeller Schaufelformen für Schnelläufer. 1906. Heft 1 bis 17. S. 2, 25ff.

Über die rationelle Ausbildung der Laufradbegrenzung von Schnelläufern. 1907. Heft 15. S. 234.

Zeigen diese Arbeiten von dem Streben Kaplans, den Entwurf der Schaufel­fläche nach wissenschaftlichen Methoden zu verbessern, so beweisen die beiden folgenden Arbeiten:Bemerkungen über die praktische Verwendbarkeit der Lorenzschen Turbinentheorie und Vorschläge zur Klarstellung der Wasserbewegung in Kreiselrädern, Zeitschr. f. d. ges. Turbinenwesen 1907, Heft 5, S. 69, undNach­weis der Richtigkeit der derzeit gebräuchlichen Turbinentheorien auf Grund von Bremsproben an ausgeführten Turbinenanlagen, ebenda 1907, Heft 12, 13, S. 189 u. 205, das rege Interesse Kaplans an den Arbeiten anderer Forscher, welche sein eigenes Arbeitsgebiet betreffen.

Dieses Streben, sich auf allen Gebieten des Turbinenbaues auf dem laufenden zu halten, gibt sich auch in den kleinen Abhandlungen bekannt, die Kaplan eben­falls in der Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen veröffentlichte. 2 Durch

1 Vgl. Zeitschr. d. österr. Ing.- u. Arcli.-Ver. Jalirg. 1912, S. 257.

2 Es sind dies die folgenden Berichte:Die Wasserkraftanlage der Gesellschaft El Porrenir de Burgos, 1907, S. 126.Hydroelektrisches Kraftwerk S6chilienne sur